Gericht stoppte Tötung – 33 Rinder bangen um Schicksal

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Foto: Sören Müller

Grimma/Großbardau. Wie jetzt erst bekannt wurde, stoppte ein Gerichtsbeschluss vom Freitag die Tötung von 33 Rindern. Noch am Freitag hatte der Landkreis seine Maßnahmen auf dem Hof der Familie Viehweg fortgesetzt, als ein Gerichtsbeschluss des Verwaltungsgericht Leipzig die hart umstrittene Maßnahmen vorerst kippte.

Arnd Viehweg hatte laut seinen Aussagen mit seinem Rechtsbeistand Widerspruch gegen die Anordnung der Behörde vom 20.06.2016 eingelegt. Das Gericht fasste den Beschluss, dass die aufschiebende Wirkung des Widerspruchs von Viehweg vorläufig angeordnet wird.

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In der Begründung dessen wird auf das Grundgesetz Artikel 19 Abs. 4 „Wird jemand durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt, so steht ihm der Rechtsweg offen. Soweit eine andere Zuständigkeit nicht begründet ist, ist der ordentliche Rechtsweg gegeben. Artikel 10 Abs. 2 Satz 2 bleibt unberührt.“ hingewiesen. Um eine drohende Vereitlung seiner Rechte zu verhindern, wurde die Tötung der Tiere bis zu einem Urteil in erster Distanz beim Verwaltungsgericht ausgesetzt. Das Gericht erachtet die Chancen auf Erfolg von Viehwegs in einem Rechtsstreit als „nicht offensichtlich aussichtslos“ an.Am Sonntag bestätigte die Pressesprecherin des Landkreis Leipzig auf Anfrage die Kenntnis des Beschlusses und fügte an, das ein erstes Schreiben des Gerichts besage, dass der Antrag des Halters unbegründet war. Es folgte anschließend der Beschluss (Zwischenverfügung). Diese Verfügung habe nach Ansicht des Landkreises den Sinn, dass keine endgültigen Fakten geschaffen werden (hier durch die Tötung).

Viehweg versuchte, seinen Schilderungen nach, noch am Freitagabend den Abtransport seiner Rinder zu verhindern. Demnach blockierte er seine eigene Zufahrt mit seinem Fahrzeug und dem Beschluss in der Hand und wurde durch Polizeikräfte den Angaben nach „wie ein Verbrecher niedergeringt“ und das Fahrzeug entfernt.

Der Landkreis konterte: „Wir halten uns an die Entscheidung des Gerichtes. Daher ist die Zwischenverfügung zu den Tieren, die nicht identifizierbar sind auch umgesetzt. Diese leben noch und sind anderweitig untergebracht. Wir hätten die Tiere dort nicht stehen lassen können: Als die Verfügung kam waren die Tiere, bereits auf dem Hänger, es wäre für die Rinder ein irrsinniger Stress gewesen. Egal wie, die Tiere hätten in jedem Fall dort weg gemusst. Die Zustände in der Haltung waren aus unserer Sicht untragbar.“

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Die „untragbare Haltung“ begründet die Behörde mit dem unzureichendem Herdenmanagment und den Aufgefundenen Tierschutzverstößen welche nun auch mit Bildern belegt wurden (Siehe Bildergalerie).

Auf Nachfrage über den Kenntnissstand vor der Maßnahme, z.b. bei Kontrollen, stellt der Landkreis folgendes dar..
„Auch aus Aussagen des Halters selbst, konnte auf Missstände geschlossen, aber oft nichts nachgewiesen werden. Vor der Auflösung der Herde konnte auch nie die gesamte Herde zusammengetrieben werden.“ erklärt sich die Behörde am Sonntag offiziell. Der Halter habe systematisch die Kontrollen verweigert, heißt es weiter. Mehrere der Tierärzte hätten Haus- und Betretungsverbot gehabt, sodass Kontrollen unter Polizeischutz statt gefunden haben sollen. Auch die Kontrollen zur rechtmäßigen Verwendung der EU-Subventionsgelder habe der Halter verweigert, heißt es seitens des Landkreises. „In den letzten Monaten wurde sehr intensiv versucht, den Halter zur Mitarbeit zu bewegen, dies wäre allerdings nicht möglich gewesen. Im Ergebnis dieser Vorkommnisse wurde die Herde am 29.04.2016 gesperrt, durfte also nicht verwertet werden.“

Wir erinnern uns: Insgesamt wurden den Angaben des Landkreises am Freitag zur Folge 149 Rinder aufgefunden, davon wurden 72 Tiere zum Verkauf durch den Landkreis freigegeben, 44 Tiere vor Ort getötet weil keine Idendifizierung möglich gewesen sei oder die Tiere krank gewesen sein sollen und weitere 33 Tiere seien nicht klärbar (nicht idendifizierbar), welche mühsam auf die Viehtransporter bei sommerlicher Hitze und unter Einsatz von Wasserkühlung durch die Feuerwehr erbracht wurde. Diese 33 Tiere wären laut Informationen des MDR einem Schlachthaus zugeführt, um sie dort tierschutzgerecht zu töten. Das Töten verhinderte nun erstmal der Gerichtsbeschluss.Arnd Viehweg hatte dem Landratsamt die Tiere Anfang Juni in Pensionspflege übertragen damit der Landkreis sich um den Bestand kümmert, weil ihm seinen Aussagen nach und den uns vorliegenden Schriftstücken, ein ordentliches Herdenmanagment aus gesundheitlichen Gründen und den ihm auferlegten „Sanktionen“, wie dem Verbot eines Betäubungsgewehrs zur Markierung der Tiere, nicht mehr möglich war. Demnach hätte der Landkreis sich um die Herde kümmern müssen und die dafür notwendigen Kosten dem Eigentümer in Rechnung stellen müssen. Laut dem Landkreis soll dies abgelehnt worden sein. Viehweg konterte: “Ein Widerspruch liegt mir nicht vor“

Die Tiere wurden an einen geheimen Ort gebracht welcher aus „datenschutzrechtlichen Gründen“ nicht genannt wird. Gestern Abend wurde ein neugeborenes Jungtier und ein erst kürzlich verstorbenes Tier auf den Weiden in Großbardau gefunden. Der Kadaver wurde laut Vieweg gegen 1 Uhr Nachts noch durch den Landkreis abgeholt und entsorgt.

 

Weitere Links zum Thema:

27.07.2016 – Unterversorgtes Jungtier auf geräumter Weide in Großbardau entdeckt

27.07.2016 – Unterversorgtes Jungtier auf geräumter Weide in Großbardau entdeckt

24.06.2016 – Behördenwillkür? Mussten die Tiere aus Profitgier sterben?

23.06.2016 – 40 Tiere bereits getötet – Das Drama von Großbardau geht weiter

22.06.2016 – Landkreis wehrt sich gegen Vorwürfe

22.06.2016 – Tierschutzverstöße bei Großbardauer Herde vermutet

22.06.2016 – Arndt Viehweg wehrt sich – das Töten unregistrierter Tiere geht weiter

21.06.2016 – Mindestens 11 nicht identifizierbare Rinder bereits getötet

20.06.2016 – Rinderrazzia in Großbardau

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Weitere Nachrichten

2 Kommentare

  1. schöne Bilder die man da gemacht hat und damit nun versucht die Unverhältnismäßigkeit zu rechtfertigen.
    mir war garnicht klar, das bei spitzen Gegenständen oder gar welche aus metall eine Tötung notwendig ist.
    Wenn man der Logik folgt ist es unfassbar das man nicht alle Stalltiere auf Ihren Spaltböden vorsorglich tötet. Ebenso bei dem Tier mit dem Abszess, oder dem Tier mit dem Fellfehler … Das sind alles Dinge die jeder (ethisch korrekt arbeitende) Tierarzt locker behandeln kann.
    Achja zum Thema Abzess. Ihr könnt ja mal auf Youtube schauen, in den Schlachthäusern werden die mit der Wasserbrause weggespült 😉 …. also guten Appetit. Gammelfleisch ist ja auch kein Problem. Gesundes Fleisch schon (wie man sieht)

    Ich kann den Verantwortlichen nur raten jetzt nichts falsch zu machen in Bezug auf die konfiszierten Tiere. Sehr sehr viele Menschen schauen gerade ganz genau hin. (Ich glaube allerdings das diese bereits getötet wurden.)

    Falls sie das lesen Frau Möller, besorgen Sie sich einen Anwalt… Aber selbst bezahlen, denn auch ihre finanziellen Transaktionen werden geprüft 😉

  2. Wenn von 140 Rindern eines an einen mit Maden besiedelten Abszeß leidet, dann sind das weniger als 1 Prozent. Wenn 2 Rinder an einem unbekannten Grund versterben, dann sind das weniger als 1,5 Prozent. Kommt noch die unklare Hautläsion dazu macht das großzügig zusammen noch immer deutlich weniger als 5 Prozent aus. Welche Mastrindherde in Deutschland kann behaupten über 95 Prozent ihrer Tiere sind kerngesund? Was geht denn dann an Kadavern täglich in die Tierkörperbeseitigung?

    Hier wird eine Herde im Nachhinein als leidend und verwahrlost dargestellt. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Man möge nur einmal in einen Milchviehbetrieb schauen, auf Klauen und Gelenke, Euterprobleme und Geschwüre.

    Und selbst wenn man weniger als 5 Prozent Kranke als tierschutzrelevant ansieht, warum tötet man die und heilt die nicht? Ein Abszeß – selbst mit Maden – ist am Wiederkäuer nun wirklich nichts, was Tierärzte aus der Bahn wirft und über die Grenzen ihrer Fähigkeiten hinausgeht. Ansonsten hilft ein Buch von 1880.

    Die spitzen Metallteile haben die Rinder jedenfalls nicht verletzt, sonst hätte das Amt sicher Verletzungsbilder geliefert.

    Nun hat es die Hälfte der Tiere umgebracht, weil zwei von ihnen schon tod waren und zwei krank. Nach dieser Logik sind die Tiere keines Tierhalters mehr sicher, dem ein Tier an unbekannter Ursache eingeht oder der ein Tier mit Maden hat. Dann zieht Euch mal warm an, die die ihr jetzt nach den Weiden von Arnd Viehweg trachtet. Ein spitzes Metallteil und die Herde muß leider nach EU-Verordnung enteignet und zumindest zu Hälfte gekäult werden – entschädigungslos natürlich.

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