Behördenwillkür? Mussten die Tiere aus Profitgier sterben?

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Foto: privat

Grimma/Großbardau. Es wird immer undurchsichtiger, nachdem der Landkreis Leipzig die Tiere von Arnd Viehweg in Großbardau am Montag beschlagnahmt hatte. Demnach sind bis Donnerstagabend 40 Tiere getötet worden. Begründung: EU Normen, doch die schreibt keine unverzügliche Tötung vor.

Die EU Norm sagt in der EG 1760/2000 /Artikel 22/Absatz 2d folgendes aus: „wenn der Tierhalter eines Tieres die Identität und Rückverfolgbarkeit des Tieres nicht nachweisen kann: gegebenenfalls auf der Grundlage einer Bewertung der Risiken für die Tiergesundheit und die Lebensmittelsicherheit. Vernichtung des Tieres ohne Gewährung einer Entschädigung,“. Die Tötung der Tiere liegt also im Ermessen der Behörde.

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Da es derzeit keine Hinweise, seitens des Landkreises auf eine Seuche oder spezielle Krankheiten gibt, wäre somit eine sofortige Tötung gar nicht nötig? Begründet wurde das am 21. 06.2016 vom Landkreis folgendermaßen: „Aus Tierschutzgründen wurden diese Rinder als sie wegen der Blutentnahme bereits sediert waren eingeschläfert, um ihnen dadurch eine erneute Manipulation weiteres Leid zu ersparen.“  Arnd Viehweg, schildert uns den Ablauf der Maßnahme aus seiner Sicht: Darin geht er auf  Vorwürfe des Landkreises detailliert ein.Stellungnahme von Arnd Viehweg vom 23.06.2016

„Bisherige Veröffentlichungen durch Frau Laux, Pressesprecherin des Landratsamtes des Landkreises Leipzig:

1. In Großbardau wurden nicht registrierte Rinder gehalten, geschlachtet, verarbeitet und in den Verkehr gebracht

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2. 140 Rinder hätten keine Ohrmarken

Erste Richtigstellung von Herrn Arnd Viehweg:

Alle meine Rinder haben einen Rinderpass, ein Geburtsdatum und sind registriert.

Zwei Probleme sind mir bekannt:

1. Vier Kälber befinden sich in Großbardau in der Herde, waren aber in der Herde in Grimma, Wasserwerksweg gemeldet. Mit Nachfragen durch das (LÜVA) des Landkreises Leipzig hätte der Sachverhalt geklärt werden können – die vier Kälber wurden aber getötet.

2. An einigen Rindern sind Ohrmarken herausgerissen (siehe auch das Bild in der Presse). Anstatt die Ohrmarken nachzusetzen, wurden die Rinder getötet.

Erklärung: Der Hersteller der Ohrmarken gibt keine Garantie für Ohrmarken der Rinder, die ganzjährig im Freien leben und sich bei akuter Sonneneinstrahlung zersetzen.

3. Cirka 10 Rinder wurden mit mehrfach überzogener Dosierung falsch betäubt. Man ließ Sie unabgedeckt in der Sonne liegen. Diese sind jämmerlich verendet. Alle Unterlagen dieser Rinder waren beanstandungsfrei. Unter den getöteten Rindern befanden sich 5 hochtragende Kühe, die in Kürze Kälber bekommen hätten.

4. Am 21.06.2016 wurde spätabends die Leitkuh Rosa unversorgt in meiner Photovoltaikanlage gefunden.

5. 2 Tage erhielten die Rinder kein Futter und 2 mal brachte die Feuerwehr Grimma cirka 200 Liter Trinkwasser. 2000 Liter wäre für die Anzahl der Tiere notwendig gewesen. In der Nacht vom Dienstag 21.06.2016 zu Mittwoch 22.06.2016 war in Großbardau ein wehmütiges Rufen der Rinder zu hören.

Wo bleibt hier der Tierschutz?

Mir wird fehlendes Herdenmanagement vorgeworfen:

1. Die Voraussetzungen dazu sind selektives Behandeln der Rinder beim Töten durch Einsetzen des Jagdgewehres durch Kugelschuss.
2. Selektives Behandeln der Kälber beim Einziehen der Ohrmarken durch Einsatz von Betäubungsmitteln. Beides habe ich problemlos beim Aufbau meiner Herden eingesetzt.

Diese beiden Voraussetzungen wurden mir vor 2 ½ Jahren unwiderbringlich ersatzlos zerstört. Meine Naturrinder mit „zottligem“ Fell und Gehörnauslage bis 1,50 m wurden durch persönliche Anweisung der Frau Dr. Möller, Amtsleiterin des Lebensmittel- und Überwachungsamtes (LÜVA) des Landratsamtes Landkreis Leipzig zu schwarz/weiß Hausrinder klassifiziert. Die Begründung lautet: Herr Viehweg braucht dazu keine Schussgenehmigung und kein Betäubungsgewehr.
Dieses „lila Kuhwissen“ hatte katastrophale Folgen. Eine ständige Quälerei in ungeahnten Ausmaßen erfuhren die Rinder, die wir einfangen mussten, die sich mit ihren breiten Gehörnen in die Zwangsstände quälten und mit Stress und Zittern zum Schlachthaus beförderten. Dort erfolgte die Wiederholung der Quälerei.

Beim Einfangen waren auch junge Kälber mit ihren Mutterkühen, die bei der Panik verletzt wurden. Zwei der Kälber wurden getötet.

Frau Dr. Möller hat angeordnet, dass sie am 10.05.2016 und 13.05.2016 alle Ohrmarken, die zugewachsen sind, kontrollieren will. 45 Rinder hatte ich im Fangstand. Frau Dr. Möller bestand auf die Festlegung, dass alle Rinder im Fangstand sein müssen. Erst dann beginnt die Selektierung. Der Einsatz von Beruhigungsmitteln war mir durch Herrn Lehne, 1. Beigeordneter des Landratsamtes Landkreis Leipzig, verboten wurden.

Bei dem Massaker am 20.06.2016 bis 22.06.2016 hier in Großbardau, wurden durch die LÜVA über 25 Hilfskräfte eingesetzt. Sie brachten die Rinder schubweise(5 – 6 Rinder) in den Fangstand und wanden ausschließlich Betäubungsmittel mit den bekannten Folgen an.

Mit Freigabe von 300 mg Betäubungsmitteln und einem Betäubungsgewehr im Wert von cirka 220,00 € und dessen Einsatz, im Beisein der Amtsleiterin des LÜVA Borna, wäre die Aktion am 10.05.2016 und 13.05.2016 problemlos über die Bühne gegangen. Aber das war nicht gewollt. Es musste eine Spezialfirma eingesetzt werden.

Im Ergebnis der ungeklärten Probleme sah ich mich gezwungen ab 20.06.2016 meine Rinder in Pensionspflege dem Landkreis zu übergeben. Vom Landratsamt gab es dazu bis heute keinen Widerspruch.

Großbardau, den 23.06.2016

Arnd Viehweg“

Am Mittwoch sagte die Pressesprecherin des Landkreises in einem MDR Beitrag: Die „Pensionspflege“ welche mit dem Datum vom 16.06.2016 per Einwurf_Einschreiben zugestellt wurde, wäre abgelehnt worden. „Jetzt müssen wir“ hieß es im weiteren Verlauf des Gesprächs mit dem MDR. Wurde wirklich diese Aktion vom Donnerstag bis zum Montag (20.06.) erst geplant oder liefen die Planungen schon viel länger?

Nicht nur das die Stellungnahme von Viehweg weitere Vorwürfe gegenüber dem Landkreis eröffnet, so ergeben sich auch weitere Fragen aus den offiziellen Antworten auf unsere Fragen.
So hatte das Medienportal-Grimma am Donnerstag konkret nach der Tötungsmethode gefragt. Antwort: „Die Rinder wurden zum großen Teil eingeschläfert.“ Auf konkrete Nachfrage, ob die Tötungen mittels Stromschlägen, so berichten Insider und auch die BILD, durchgeführt werden und was „zum großen Teil“ bedeute, rudert die Landkreissprecherin am Donnerstagabend zurück. Antwort: „Das heißt dass ich es nur für im Moment nur für den ersten Standort weiß. Das war der größte Teil. Ich kläre die Frage morgen, weil es mehrere Möglichkeiten gibt, tierschutzgerecht (das soll jetzt nicht provokativ klingen) Tiere zu töten. Dabei ist ein wesentlicher Punkt die Betäubung.

Experten, die namentlich nicht erwähnt werden wollen, halten die Tötung mit Stromstößen bei Rindern eher für unüblich aber möglich. O-Ton: „ Es ist eine billigere Methode als mit Unmengen an Betäubungsmitteln beherbergt aber das Risiko, dass die Tiere eventuell noch mal aufstehen und erneut unter Strom gesetzt werden müssen was einen groben Verstoß gegen geltendes Tierrecht bedeuten würde.“ Wir erinnern uns, ein Zutritt zum Gelände am Rande von Grimma war der Presse nicht gestattet. Eine Kontrolle der behördlichen Maßnahmen und verschiedener Vorwürfe ist somit auch nicht möglich.

Ein Blick auf die Homepage der „Spezialfirma“ offenbart Weiteres, demnach wird im Passus „Abrechnung von Maßnahmen in der Tierseuchenbekämpfung“ folgendes erklärt.
„Durch die betriebsspezifische Bündelung der in der Tierseuchenbekämpfung relevanten Dienstleistungen Räumung, Tötung, Reinigung, Desinfektion und Schädlingsbekämpfung aus einer Hand durch die Firma …., wird die Abrechnung dieses Gewerkes in Kilogramm getötetem Tiergewicht auf ein minimales zeitliches Maß reduziert. Unmittelbar nach dem Töten und Verwiegen kann am gleichen Tag die Abrechnung erfolgen.“

 

23.06.2016 – 40 Tiere bereits getötet – Das Drama von Großbardau geht weiter

22.06.2016 – Landkreis wehrt sich gegen Vorwürfe

22.06.2016 – Tierschutzverstöße bei Großbardauer Herde vermutet

22.06.2016 – Arndt Viehweg wehrt sich – das Töten unregistrierter Tiere geht weiter

21.06.2016 – Mindestens 11 nicht identifizierbare Rinder bereits getötet

20.06.2016 – Rinderrazzia in Großbardau

 

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