Darf Feuerwehrmann Felix doch in Schmorkau bleiben? Oschatz kündigt Gesprächsbereitschaft an

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Aktuell bleibt nur der Blick von Außen nachdem Feuerwehrmann Felix kurz vor Weihnachten von der Stadt Oschatz vor die Tür gesetzt wurde. Fotos: Sören Müller

Oschatz/Mutzschen. Kurz vor Weihnachten wurde Feuerwehrmann Felix Bohn, wie berichtet, seitens der Stadt Oschatz wegen einer nicht genehmigten Doppelmitgliedschaft aus dem Feuerwehrdienst seiner Ortsfeuerwehr Schmorkau geworfen. Die Stadt Oschatz hat nun eine neue Begründung des Rauswurfes angebracht.

Weil Felix an seinem Arbeitsort in die Feuerwehr Mutzschen eingetreten war, erhielt er die Kündigung seiner Feuerwehrmitgliedschaft an seinem Wohnort in Schmorkau, einem Ortsteil der Stadt Oschatz mit eigener Feuerwache. Die Doppelmitgliedschaft von Felix ist in der Stadt Oschatz aber kein Einzelfall. Auch in Oschatz gibt es Feuerwehrkameraden in Doppelmitgliedschaften, dass teilte uns nun nach erneuter Nachfrage die Stadt Oschatz mit. So befänden sich demzufolge zwei weitere Kameraden in einer Doppelmitgliedschaft bei denen das offenbar kein Problem war.

Begründung: „Die Hauptmitgliedschaft ist im Unterschied zu Herrn B. in einer Nachbargemeinde im Landkreis, von der diese ausdrücklich genehmigt wurde. Die Doppelmitgliedschaft von Herrn B. würde dem gegenüber landkreisübergreifend sein und die Hauptgemeinde ist der Wohnort Oschatz.“ Die Hauptgemeinde sei zuständig für alle Lehrgänge und Kosten, die für den Kameraden anfallen. Dafür erhalte sie auch die entsprechenden Fördermittel erstattet. „Die Tagesbereitschaft des Kameraden wird jedoch in der Gemeinde, in der er arbeitet, verbracht. Für die Einsatzbereitschaft in Oschatz, gerade in der Woche, ist das von Nachteil.„, sagt die Stadt Oschatz.

Über jede einzelne Doppelmitgliedschaft der Freiwilligen Feuerwehr Oschatz werde im Feuerwehrausschuss, der im Übrigen hauptsächlich aus Mitgliedern der Hauptfeuerwache in Oschatz besteht, beraten. Dabei spiele die Entfernung eine wichtige Rolle. „Bei den derzeitigen Doppelmitgliedschaften handelt es sich um eine Wehr aus der unmittelbaren Nachbarschaft, mit der wir ohnehin einsatztaktisch zusammenarbeiten. Die Sachlage ist damit eine ganz andere als eine Entfernung zwischen Schmorkau und Mutzschen.„.

Die Hauptfeuerwache der Freiwilligen Feuerwehr Oschatz. Die Ortsfeuerwehr Schmorkau ist die letzte verbliebene eigenständige Ortsfeuerwehr in der Stadt Oschatz und hat ohne Felix nur noch sieben aktive Feuerwehrkameraden.

Wir haben beim Landkreis Nordsachen nachgefragt ob die Doppelmitgliedschaft tatsächlich Auswirkungen auf eventuelle Förderungen durch den Landkreis habe: „Die Gemeinde als örtliche Brandschutzbehörde ist wie im Zitat angeführt u.a. grundsätzlich zuständig für die Aus- und Fortbildung sowie die Ausstattung der Kameraden. Dafür trägt sie natürlich auch die Kosten.“ Dazu muss man wissen, dass das allerdings genauso auch für die zweite Kommune, also die Stadt Grimma, in dem Fall im Landkreis Leipzig, zutrifft. Grundlegend ist es auch für Felix möglich dort an Ausbildungen teilzunehmen.

„Der Landkreis Nordsachsen unterstützt die Aus- und Fortbildung. Er organisiert die Ausbildung auf Kreisebene, finanziert die Entschädigung der Kreisausbilder und deren Helfer auf Basis der Entschädigungssatzung und beteiligt sich u.a. an der Finanzierung der Heißausbildung. Eine Förderung vom Freistaat Sachsen kann es zum Beispiel für die Beschaffung der Schutzbekleidung geben, zu dem gewährt der Freistaat eine Zuwendung pro aktiven Kamerad oder für eine notwendige Führerscheinprüfung.“ Mit einem klaren NEIN beantwortet der Landkreis unsere Frage, ob es ein Verbot der landkreisübergreifenden Doppelmitgliedschaft gäbe. Es bleibt also bei der Ermessungsentscheidung der Stadt Oschatz.

Personell habe der fragwürdige Vorgang für den Stadtwehrleiter für´s erste keine Folgen: Die Stadt Oschatz stünde voll hinter ihrer Wehrleitung, welche 2022 neu gewählt wurde. „Stadtwehrleiter Lars Natzke und alle Kameradinnen und Kameraden haben die vollste Unterstützung der Stadt.“. Immerhin soll es nun zwischen dem Oberbürgermeister David Schmidt und Felix ein persönliches Gespräch geben. Vielleicht findet sich doch noch eine Lösung für den engagierten Feuerwehrmann. Wir bleiben dran.

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