Ausstellung: Das Kriegsgefangenenlager Golzern von August 1914 bis März 1917

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Foto: pixabay

Grimma/Golzern. Während des Ersten Weltkrieges gerieten zwischen 6,6 und 8 Millionen Soldaten in Gefangenschaft. Bei etwa 60 Millionen Soldaten entsprach dies mehr als zehn Prozent aller Mobilisierten. Fast 2,5 Millionen Menschen aus 13 verschiedenen Staaten gerieten allein in deutsche Kriegsgefangenschaft und wurden in Lagern untergebracht, auch in Golzern.

Die Militärbehörden in vielen Krieg führenden Staaten waren im Sommer 1914 von einer kurzen Kriegsdauer ausgegangen, so dass kaum Vorkehrungen für die Unterbringung einer größeren Gefangenenzahl getroffen wurden. Doch bereits zum Jahreswechsel 1914/15 hatten die deutschen Behörden 577.875 Kriegsgefangene zu versorgen. Die Lagereinrichtungen mussten im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Boden gestampft werden. Unter dem Druck der Verhältnisse galt es Kompetenzen abzustimmen, eine Verwaltung zu etablieren und genaue Richtlinien bezüglich Unterbringung, Bewachung und Fürsorge von Kriegsgefangenen auszuarbeiten.

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Im August 1914 stellte der Besitzer der Papierfabrik Golzern, Schröder, die Räume der ehemaligen Maschinenfabrik in Golzern für die Errichtung eines Kriegsgefangenenlagers zur Verfügung. Mit der Leitung des Lagers wurde Major von Wolffersdorf von Seiten der Zivil- und Militärbehörde beauftragt. Weiterhin traten mehrere Offiziere, Ärzte und Soldaten der Landsturmkompanie Döbeln ihren Dienst an. Innerhalb weniger Wochen wurde das Lager für ca. 2000 Kriegsgefangene eingerichtet. Am 8. Oktober trafen 838 Franzosen in Golzern ein. Am 19. Februar 1915 kamen weitere 1200 Russen und Zivilgefangene aus dem Lager Lamsdorf dazu, kurze Zeit später noch Serben. Bis Anfang 1917 sollte die Zahl auf 6000 anwachsen.

Das Leben in den Lagern war geprägt von Monotonie, Langeweile und Heimweh. Gefangene, die auf engem Raum zusammengepfercht wurden, entwickelten bald psychische Auffälligkeiten, bis hin zu schweren Erkrankungen. Um einer solchen Entwicklung vorzubeugen und auch um die kriegswichtige Arbeitsfähigkeit der Gefangenen zu erhalten, wurden Freizeitbeschäftigungen nicht nur geduldet, sondern durch Erlass des Königlich-Sächsischen Kriegsministeriums in ganz Sachsen ausdrücklich gefördert. Die kulturelle Betätigung der Kriegsgefangenen sollte den Alltag im Lager erträglicher gestalten.

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Im Winter 1915 entstanden im Kriegsgefangenenlager Golzern Einrichtungen für Unterricht und Unterhaltung. Der Unterricht wurde meist von den gebildeten Gefangenen erteilt. Vermittelt wurden vor allem Sprachen, vorwiegend Deutsch. In der kleinen Lagerbibliothek konnten sich die Gefangenen mit entsprechender Literatur versorgen. Besonders die Schweiz sowie das Rote Kreuz stifteten Bücher, Zeitschriften und Spiele.

Die französischen und russischen Gefangenen stellten ein kleines Orchester und eine Theatergruppe zusammen. In der lagereigenen Tischlerei entstanden die Kulissen, die kunstsinnigen Maler unter ihnen führten die Theaterdekoration aus. Die theaterbegeisterten Franzosen spielten ihre Boulevardstücke aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Die Theatergruppe gab sich den Namen „Theatre du camp de Prisonniers de Golzern“. Mit dem zunehmenden Einsatz der Kriegsgefangenen in den Arbeitskommandos kamen diese kulturellen Betätigungen im Sommer 1916 allmählich zum Erliegen.

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Der Artikel 6 des Haager Gefangenenreglements legitimierte die Beschäftigung kriegsgefangener Mannschaftssoldaten. Kriegsgefangene Soldaten sollten nur entsprechend ihres Dienstgrads und ihrer Fähigkeiten eingesetzt werden und die Arbeit selbst nicht „exzessiv“ sein. Zunächst galt, bis Ende 1914, ein Arbeitseinsatz der in Deutschland eingetroffenen Soldaten als Beschäftigungstherapie. Unter dem Druck des spürbaren Arbeitskräftemangels änderte sich dies allerdings bereits zur Jahreswende 1914/15. Militärische und zivile Stellen förderten nunmehr den verstärkten Einsatz Kriegsgefangener.

Während in den ersten Kriegsmonaten nur vereinzelt Kriegsgefangene zur Aufrechterhaltung des Lagerbetriebs, wie der Wäscherei, der Küche oder der Kleiderwerkstatt eingesetzt waren, stieg die Zahl der zur Arbeit herangezogenen Gefangenen bis zur Auflösung des Lagers 1917 auf etwa 90 Prozent. Um die nötigen Facharbeiter zu ermitteln, wurden ab 1915 die Berufe der Gefangenen registriert und Gefangene gegebenenfalls mit denen in anderen Lagern ausgetauscht. Dies war der erste Schritt hin zur systematischen Erfassung von Kapazitäten für die Kriegswirtschaft.

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Seit Anfang 1915 setzte man Gefangene in größerem Maßstab in der Industrie und im Bergbau ein. Gegen Jahresende wurde der Mangel an Arbeitskräften so bedenklich, dass eine Aufrechterhaltung der deutschen Kriegswirtschaft ohne den Einsatz von Kriegsgefangenen nicht mehr möglich war. So wurden auch die Gefangenen aus Golzern immer stärker in der heimischen Industrie tätig. Etwa die Hälfte der Gefangenen arbeitete in den großen Kohletagebauen südlich von Leipzig. Dort waren sie vor allem in den Brikettfabriken und im Abraumbetrieb beschäftigt. Am Ende des Jahres 1916 waren nur noch 3,5 % im Lagerdienst eingeteilt. Die Stammlager wurden regelrecht geräumt.

Im Februar 1917 ließ das Kriegsministerium die Gefangenenlager auf Wirtschaftlichkeit in Ausgestaltung und Verwaltung überprüfen. In Golzern kam die Inspektion zu dem Schluss, dass das Lager mit seinem geringen Bestand an Kriegsgefangenen nicht mehr wirtschaftlich weiterzuführen war und beschloss somit dessen Auflösung. Ende März 1917 siedelte der größte Teil des Lagers nach Ebersdorf bei Chemnitz um. Für einige Monate verblieb noch ein Aufräumungskommando in Golzern.

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 Vom 19.3.2017 bis 13.8.2017 wird es dazu eine Ausstellung im Kreismuseum Grimma, Paul-Gerhardt-Straße 43 geben. 

Quelle: PM Stadt Grimma

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