Ruf Bärenherz 1 – 4 / 1. Blaulichttag im Kinderhospiz

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Foto: Nadine Kitruschat

Grimma/Leipzig. 1979 landete Jonny Hill mit seinem Song „Ruf Teddybär eins-vier“ einen Hit und brachte ihm die goldene Schallplatte ein. Die Geschichte die er da besang, könnte sich im Frühjahr in ähnlicher Form wiederholen. Die könnte vielleicht so klingen ….

 … Wir waren seit fast acht Stunden schon auf der Autobahn, waren ganz kurz vor unserem Gerätehaus und hielten uns mächtig ran.

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Die Sonne, sie stand schon sehr tief, als wir zur Ausfahrt kamen. Der Diesel dröhnte, unser Funkgerät war an, als daraus die Stimme eines kleinen Jungen kam.

Er sagte nur „Kanal eins-vier, ist hier irgendwer? Wenn, dann ruf mich doch zurück und sprich mit Teddybär.

Bis zur Stadt war es nicht mehr weit, wir kamen gut voran. Ich nahm das Mikro in die Hand und sagte ganz spontan: „Hey, ich rufe Teddybär. Wo ist der junge Mann? Ich bin auf deiner Welle. Kannst du mich verstehen?“ Es wurde still auf dem Kanal, ich wollt schon weiterdrehen, da fragte mich der Junge „Fahrer, bist du auch noch dran?

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Ich sagte „ja„, und da fing er mir zu erzählen an

Jeden Tag von früh bis spät schalt ich den Kasten ein, sitz im Rollstuhl, kann nicht gehen und bin hier ganz allein. Und meine Mutter arbeitet. Sie sagt, das muß so sein, denn Daddy starb vor einem Jahr auf dieser Autobahn. Er war ein Feuerwehrmann, so wie du, bis er dann nicht mehr kam. Sie sagt mir oft wir schaffen es und tut, als wenn nichts wär. Doch jede Nacht hör ich sie weinen. Ich weiß, sie hats sehr schwer.

Und während er so redete, da fiel es mir doch auf: Kein andrer war zu dieser Zeit auf Kanal vierzehn drauf. Er sagte „Dieses Funkgerät von Daddy gehört jetzt mir. Es ist der schönste Zeitvertreib mit einem so wie dir. Auch Daddy sprach von unterwegs mit mir genauso wie jetzt du. Eines Tages sagte er mein Junge, hör mir zu. Einmal, da nehm ich dich mit raus. Doch leider wurde nichts mehr draus.

Ich hörte die Enttäuschung, die aus diesen Worten klang. Wir waren längst stehengeblieben, das packte uns doch an. All das ging uns zu Herzen, wir pfiffen auf Job und Zeit, denn alle konnten warten, nur dieser Junge nicht. Tut mir leid. Ich sagte „Teddybär, wo wohnst du? Wo liegt deine Station?“ Was wir zu tun hatten, das wussten wir längst schon.

Nur dieser kleine Funker, der ahnte nichts davon. Er gab mir die Adresse, sagte „Lebewohl und irgendwann vielleicht bist du wieder hier, dann wär es schön, wenn mich dein Ruf erreicht.

Dann war es still und ich gab Gas, mit achtzig in die Stadt, das Martinshorn dröhnte, die letzte Kurve, wir waren da. Ich glaubte nicht, was ich da sah: Da standen achtzehn Blaulichtwagen, wir waren den Tränen nah. Sie hatten alles mitgehört und fuhren hin und her. Ja, einer nach dem anderen fuhr eine Runde mit Teddybär.

Achtzehn mal die Straße runter und achtzehn mal auch wieder rauf. Wir waren ganz als letzter dran und trugen ihn auch wieder hinauf. Ich hab noch nie ein Kind gesehen, das so restlos glücklich war, und seine Augen strahlten, es war einfach wunderbar. Er sagte „Fahrer, glaube mir, das war eine Schau. Ich fang euch wieder einmal ein, das weiß ich ganz genau.

Und er hielt meine Hand, die ganze Zeit schon. Ich schluckte und sagte „Ist schon gut, mein Sohn.

Dann fuhren wir wieder los, und das Funkgerät, das war noch auf Empfang, als daraus die Stimme einer Frau erklang. Sie sagte, und man merkte es, das Sprechen fiel ihr schwer: „Hier ist der Kanal eins-vier, hier spricht Mutter Teddybär. Den schönsten Tag in seinem Leben habt ihr meinem Kind gegeben. Niemals mehr kann ich vergessen, wie ihr zu meinem Jungen wart. Ich danke euch und allzeit gute Fahrt.


Diese Geschichte, die Hill damals geschrieben hatte, könnte sich am 20. Mai 2017 wie oben beschrieben im Kinderhospiz Bärenherz Leipzig e.V. , Kees’scher Park 3, in Markkleeberg abspielen, denn Tommy Schmidt, ehrenamtlicher Feuerwehrmann und Notfallseelsorger, ist gerade in den Vorbereitungen zu einem echten Highlight für diese Kinder, einem Blaulichttag. Können wir uns nicht alle auch an die Momente erinnern, in denen wir Polizist oder Feuerwehrmann werden wollten? Wir haben mit dem Initiator Tommy Schmidt gesprochen:

Der Kontakt besteht seit ca. 3 Jahren zum Kinderhospiz Bärenherz Leipzig e.V.! Ich bin Fördermitglied und sie bekommen jährlich eine Summe X von mir. Als ich mit meiner Jugendfeuerwehr unterwegs war, kam mir der Gedanke, wie viele Kinder davon träumen, Feuerwehrmann bzw. Feuerwehrfrau zu werden. Für die Kinder im Kinderhospiz wird sich dieser Traum leider nicht erfüllen. Also wollte ich ursprünglich mit einem Einsatzfahrzeug ins Kinderhospiz nach Markkleeberg fahren. Da ich als Kind aber auch Polizist werden wollte, dachte ich mir, die Polizei nimmst du mit. Nach meinem großen Einsatz in Wurzen (Gasexplosion), bei dem der Rettungsdienst, das THW und auch Rettungshunde vor Ort waren wusste ich, die brauche ich auch. Und jeweils eine E-Mail später, hatte ich von den meisten eine Zusage.

Besonders stolz macht mich die erneute Zusammenarbeit mit dem Kreisfeuerwehrverband Landkreis Leipzig e.V., der als Schirmherr fungieren wird. Durch ihre Hilfe werden wir nun ein Blaulichtfest für jedermann veranstalten. Für das leibliche Wohl wird also gesorgt sein. Finanzieren werden wir das ganze durch Spenden bzw. über Sponsoren. Hier gilt mein Dank Stefan Henschel mit seinem Druck & Werbeteam aus Eilenburg die als erste Sponsoren für die tollen Flyer bzw. Plakate gesorgt haben.“

Unbenannt

Wer Tommy Schmidt unterstützen möchte kann das folgendermaßen:

Sollten sich weitere Sponsoren finden (für Catering, Werbung, Bierfässer, Limokästen usw.) können diese über „blaulichttag-baerenherz@gmx.de“ oder über die Facebook-Gruppe „1.Blaulichttag im Bärenherz“ Kontakt zu Tommy Schmidt aufnehmen.

Ab 01.01.2017 wir die Bankverbindung für Spenden freigeschaltet.

 

Kreisfeuerwehrverband Landkreis Leipzig
IBAN: DE 90860956040002065053
BIC: GENODEF1LVB
Verwendungszweck: „Blaulichttag“

Hospize haben es sich zur Aufgabe gemacht, unheilbar Kranke in ihrer letzten Lebensphase im Sinne der Palliative Care zu versorgen. Es gibt ambulante, teilstationäre und stationär tätige Hospizvereinigungen, also Leistungserbringer im hospizlichen und palliativen Bereich. 

Infos zum Bärenhospiz gibt es unter: www.baerenherz-leipzig.de

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