„Altstadt von morgen“: Händler und Anwohner fordern bei Informationsabend mehr Mitspracherecht!

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Der Rathaussaal war gut gefüllt am Montagabend
Der Rathaussaal war gut gefüllt am Montagabend Foto: Sören Müller

Grimma. Am Montagabend  hatte die Stadtverwaltung zu einem Bürgerinformationsabend zum Thema „Altstadt von morgen“ eingeladen. Die Pläne kamen nicht bei jedem gut an.

Grimma ist eine von 238 Kommunen aus ganz Deutschland, die über das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ des Bundesministeriums des Inneren eine Förderung von insgesamt 800.000 € über  vier Jahre erhält. Die Stadt Grimma ist Teil des Projektes „Vitales Trio„. Gemeinsam mit den Städten Stollberg/Erzgebirge und Burgstädt sollen den jeweiligen Altstädten mit Unterstützung des Bundes Impulse gesetzt werden. Die Muldestadt zielt auf die Themen Verweilen, Tourismus und Freizeit.

Bereits im vergangenen Jahr folgten rund 50 Bürgerinnen und Bürger dem Aufruf. In der Klosterkirche kamen dabei zahlreiche Ideen und Vorschläge zur Zukunftsfähigkeit der Altstadt zusammen. In den vergangenen Monaten wurden daraufhin Ausschreibungen auf den Weg gebracht und die Umsetzung der Ideen analysiert. Im Rahmen des Informationsabends im gut gefüllten Rathaussaal informierte nun Janine Wolff, Amtsleiterin Stadtentwicklung, sowie Julius Goerner von der Tourist-Information über den Sachstand. 

Konkret wurden seit 2022 verschiedene Konzepte angeschoben oder wieder verworfen. Zu den Dingen die bereits im Vorfeld die Gemüter hochkochen ließen, zählten eine Fußgängerzone in der Langen Straße und die Umwandlung des Schotterparkplatzes in der Lorenzstraße. Aufgrund starker Einwände der Händler bzw. Anwohnern wurden diese Ideen vorerst auf Eis gelegt, versicherte Wolff.

Neben Planungsaufwendungen für die Überprüfung der Klosterkirche als Veranstaltungsort oder einem neuen Einzelhandelskonzept, welches im kommenden Frühjahr vorliegen soll, sollen von den Fördergeldern noch in diesem Jahr große Pflanzkübel aufgestellt werden. Die Stadt suche für die Pflege der Kübel Patenschaften. Weiter auf dem Plan für die kommenden Jahre stehen die Freiraumgestaltungen in der Langen Straße und der „Mauerlücke“ in der Paul-Gerhard-Straße. Zudem soll unter Anderem eine neue Imagekamagne für die Stadt aufgelegt werden um den Tourismus anzukurbeln.

Hier stieg dann Stadtrat Johannes Heine (Freie Wähler) in die Disskusion ein. Er vermisse im Bezug auf die Tourismusförderung den Umgang mit den fehlenden verfügbaren öffentlichen Toiletten. Seiner Ansicht nach, sei das ein wichtiges Thema, gerade für Bustouristen, welche die Stadt besuchen wollen. Es gäbe aktuell in der Innenstadt keine bewirtschaftete Toilette. Dem pflichtete eine Stadtführerin bei: „Diese Frage kommt oft als Erstes!“ gerade bei Reisebussen die auf dem Volkshausplatz halten. Sie müsste dann immer auf die wenig einladenden Toiletten auf dem Nicolaiplatz oder am Rathaus verweisen. Heine forderte über den Tellerrand zu schauen. Ideen für bewirtschaftete Toiletten gäbe es beispielsweise in Meissen. Dort werde die Toilette mit der Touristeninformation verbunden.

Weiteren Rednern gehe das Konzept ebenfalls nicht weit genug. So finde ein vernünftiges Park- und Verkehrskonzept für die Innenstadt überhaupt keine Einbindung in das vorgestellte Projekt. Auch fehle ein Beleuchtungskonzept für die Innenstadt. Weitere Redner, vorallem aus der Händlerschaft, fehlte die Einbindung in die Ideen. Man „fühle sich nicht gehört„. Hier versicherten Wolff und Goerner allerdings, Bürger und Händler in die weiteren Maßnahmen mit einzubinden. Die aktuellen Planungen bezögen sich hauptsächlich auf die Fördermittelrichtlinien. Für Andere Besucher des Abends waren die Ausblicke für die kommenden Jahre eher „enttäuschend“. Man könne sich nicht vorstellen, dass man mit ein paar Pflanzkübeln, Pflanzaktionen, einer Aufhübschung der Internetpräsenz oder Freiraummöbilar tatsächlich mehr Besucher in die Innenstadt locken kann. „Wir müssen etwas ändern, sonst ändert sich nichts“ sagte Janine Wolff und appelierte sich mit einzubringen.