1886: Schneechaos in Grimma – Husaren schaufelten Züge frei

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Foto: pixabay

Grimma. Die Winter in den letzten Jahren waren in Grimma eher harmlos, vor 130 Jahren sah das ganz anders aus. Einige Grimmaer können sich vielleicht noch an den sogenannten Polarwinter 1929 erinnern. Damals als, 30 Grad Minus die Mulde zufrieren ließen und das städtische Wassernetz schwer beschädigte. Noch extremer und vorallem dramatischer war allerdings das Schneechaos 1886 kurz vor Weihnachten. Dato war die Stadt Grimma tagelang von der Außenwelt abgeschnitten.

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Es war der 19. Dezember, als es Sonntagnachmittag anfing zu schneien und zwar ununterbrochen bis zum Mittwoch. Viele freuten sich anfänglich noch über diese total unangekündigte weise Weihnachtsüberraschung, diese Freude legte sich aber ganz schnell. Am stärksten von diesem heftigen Wintereinbruch betroffen waren die Königreiche Sachsen und Bayern, Schlesien, Thüringen und Brandenburg. Sachsenweit waren 50 Menschen ums Leben gekommen.

Montag, dem 20. Dezember brach zuerst der Verkehr komplett zusammen. In den Straßen entstanden meterhohe Schneeberge, welche sogar für Schlitten zur echten Herrausforderung wurden. Außerhalb der Stadt war ein Vorankommen zunächst nahezu unmöglich. Selbst an geschützten Stellen lag der Schnee meterhoch. Das Weihnachtsgeschäft wurde für die heimischen Händler zum Totalausfall, trotz großer Räumaktion auf dem Marktplatz. Für Bahnreisende wurden die Fahrten zur Odysee. Montagabend kamen zwar noch Züge aus Richtung Dresden am Oberen Bahnhof an, allerdings mit erheblicher Verspätung.  In Richtung Leipzig fielen die Züge irgendwann komplett aus oder steckten im Schnee fest und das war richtig gefährlich. Ein Zug blieb kurz hinter Großsteinberg in den Schneemassen stecken. Da zu dem Zeitpunkt ein Schneesturm tobte, war eine Befreiung der Passagiere vorerst unmöglich. So mussten diese die Nacht in unbeheizten Waggons verbringen.

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Am nächsten Tag gelang es, den Überlieferungen nach, mit Hilfe von etwa 150 Soldaten der Grimmaer Husaren die Strecke nach Grimma freizuschaufeln, damit der Zug in den Mittagsstunden in Grimma eintreffen konnte. Die Passagiere des Zuges wurden vorher mit
Pferdeschlitten in die Stadt gebracht.

Auf der Muldentalbahn, also der damaligen zweiten Bahnstrecke entlang der Mulde, versuchte am 19. Dezember wohl ein Zug von Großbothen nach Wurzen zu fahren, blieb dann aber  bei Dehnitz stecken und entgleiste. Einem aus Leipzig georderter Hilfszug ereilte kurz hinter Wurzen das selbe Schicksal. In Ganz Sachsen waren solche Situationen entstanden.

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Entspannung und Entlastung  stellte sich erst zu Heiligabend ein, als der Schneefall allmählich nachließ. Der Bahnverkehr wurde zumindest nach Leipzig langsam wieder aufgenommen. Mit mehreren Lokomotiven gelang es einen Zug, der bei Naunhof steckengeblieben war bis nach Leipzig durchzubringen. Ein vom Oberen Bahnhof in Richtung Döbeln fahrender Zug, schaffte es nicht einmal bis nach Großbothen und musste wieder nach Grimma gezogen werden.

Auf der südlichen Bahnstrecke wurde der Betrieb am 1. Weihnachtsfeiertag wieder aufgenommen.

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Auch der Postverkehr war durch das Schneechaos stark eingeschränkt.  Einige Briefträger versuchten noch am 21.12  die Post zuzustellen. Danach wurde der Postverkehr komplett eingestellt, weil die Wege aus und in die Stadt unpassierbar waren. Vielerorts kam die Post dann erst Neujahr an. Mit dem Postschlitten konnten die Verbindungen nach Mutzschen und Bad Lausick, bis auf zwei Tage
einigermaßen aufrecht gehalten werden. Die Personenbeförderung wurde aber ausgesetzt.

Das Weihnachtsfest war 1886 eher mager ausgefallen Wer seine Geschenke noch nicht besorgt hatte, bekam auch keine mehr, und Besuche außerhalb von Grimma waren so gut wie unmöglich. Durch die verschneiten Straßen und Bahnstrecken kam es über Weihnachten zu Nahrungsmittelknappheiten und die Schüler der Fürstenschule (St. Augustin), welche außerhalb wohnten, mussten Weihnachten in der Schule verbringen und konnten nicht zu ihren Familien.

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Nach diesem Jahr hatten viele Grimmaer ersteinmal die Lust auf weise Weihnachten verloren.

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