Immer wieder Ärger mit der MRB – „Verhältnisse wie in Neu Delhi. Bedingungen nicht mehr hinnehmbar!“

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Foto: pixabay

Grimma. Seit Juni hat die Transdev Regio Ost GmbH unter der Marke „Mitteldeutsche Regiobahn“ die Bahnstrecke Leipzig – Grimma – Döbeln als neuer Betreiber übernommmen, seit dem gibt es auch zunehmend Ärger. Die unterstrichene Forderung auf einen S-Bahnanschluss durch die Deutsche Bahn kommt daher nicht ohne Grund. Grimmas Oberbürgermeister: „Verhältnisse wie in Neu Delhi. Bedingungen nicht mehr hinnehmbar!“

Anwohner am Grimmaer Bahnhof hatten sich mittlerweile mehrfach bei der MRB beschwert, Grund, die langen nächtlichen Laufzeiten der Triebwagen bringen Bewohner um den Schlaf. Die MRB parkt über Nacht ihre Triebwerke gegenüber eines Supermarktes und lässt sie laufen. Schnelle Abhilfe könnte eigentlich das Abparken, nur 100 Meter weiter bringen, das allerdings machen nur wenige Fahrer, zeigt aber das das grundsätzlich möglich sei. Die MRB erklärte das Tage später gegenüber dem Anwohner wie folgt: „Nach eingehender Rücksprache mit der zuständigen Fachabteilung können wir Ihnen mitteilen, dass die Fahrzeuge, welche die Züge der Regionalbahnlinie 110 fahren, vor der ersten Fahrt des Tages auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden müssen. Dazu gehört, dass die entsprechenden Anlagen getestet werden. Die Durchführung dieser technischen Überprüfung ist durch bestehendes Regelwerk definiert und muss so durchgeführt werden.

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14642947 1117396881660595 2110155822 nFoto: Triebwagen parken nachts vor dem Supermarkt

Der Schreibverkehr ging über Wochen weiter. Aktuell wurde dem Anwohner dann folgende Erklärung geschrieben. „Nach Rücksprache mit der zuständigen Fachabteilung unseres Hauses wurde ein fehlerhafter Elektrant von der DB Netz AG zwischenzeitlich repariert, so dass der Warmhaltebetrieb der Fahrzeuge wieder ohne Motorlauf über den Elektranten möglich ist. Sollten darüber hinaus noch Geräusche wahrnehmbar sein, so handelt es sich sicherlich um die Funktionstüchtigkeitsprüfung, die durch bestehendes Regelwerk definiert ist und durchgeführt werden muss.

Auf eine Anfrage durch das Medienportal Grimma antwortet die MRB zwei Wochen später und schiebt den „Ball“ an die Deutsche Bahn weiter: „Für die Wartezeit auf unsere Antwort bitten wir aufrichtig um Entschuldigung. Um es an den Beginn zu stellen – auch uns ist sehr daran gelegen, etwaige akustische Störungen für die Anwohner auf ein geringstes Maß zu senken. Heute können wir Ihnen mitteilen, dass das angesprochene Problem gelöst ist. Unsere Fachabteilung hat uns mitgeteilt, dass die von Ihrem Leser geschilderte Situation aus einem fehlerhaft arbeitenden Elektranten der Deutschen Bahn AG (DB Netz) resultierte. Ohne technisch ausholen zu wollen – an diesem Elektranten „hängt“ unser Zug über Nacht. Nachdem wir den Fehler an DB Netz gemeldet hatten, wurde eine zügige Reparatur erwartet. Die Lösung besteht nun in Adaptern, die es ermöglichen, unsere Fahrzeuge an eine dafür ausgelegte Steckdose anzuschließen. Dies verhindert, dass zwei Fahrzeuge an einem Elektranten angeschlossen werden müssen, was zu einer Überbelastung desselben führen kann. Fazit: Die Motoren müssen nun nicht mehr die ganze Nacht laufen.

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Nach wie vor klagt der Anwohner über den Lärm, denn geändert hat sich scheinbar gar nichts.

Die Beschwerden über die Mitteldeutsche Regionalbahn von Fahrgästen und Anwohnern häufen sich: Unzuverlässigkeit, nächtliche Lärmbelästigung durch abgestellte Züge mit laufendem Motor und Totalausfall mit Schienenersatzverkehr – seit der Übernahme des Zugstreckenabschnittes Leipzig–Grimma–Döbeln durch die Transdev Regio Ost GmbH im Sommer hagelt es Kritik resümiert Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger.

„Nicht nur, dass die Region Grimma entgegen vieler Versprechen der großen Politik aus Dresden bis zum heutigen Tage über keinen S-Bahn Anschluss verfügt, was für sich schon ein Skandal ist, sind mittlerweile seit der Neubeauftragung der Firma Transdev Regio Ost GmbH durch den Zweckverband für den Nahverkehr Leipzig (ZVNL) Qualitätsverschlechterungen bei der normalen Bahnverbindung festzustellen, die sich den Verhältnissen der indischen Eisenbahn Neu Dehli annähern“, macht sich der Oberbürgermeister Luft. „Von der vom ZVNL beziehungsweise der beauftragten Firma Transdev Regio Ost GmbH in Aussicht gestellten Qualitätsverbesserung kann keine Rede sein. Das Gegenteil ist der Fall.“

„An die Stadträte und mich sind in den letzten Wochen und Monaten eine Vielzahl von Beschwerden herangetragen worden, die trotz ihres Weiterleitens leider nicht zu einer Verbesserung der Situation geführt haben.“ Hauptgegenstand dabei war die permanente Überfüllung der Wagons, deren Reinigungszustand und auch die Unpünktlichkeit. Seit drei Tagen wurde sogar komplett auf Schienenersatzverkehr umgestellt.

„Das Maß ist voll und die Bedingungen nicht mehr hinnehmbar“, so der Oberbürgermeister. „Ich habe mich deshalb an Oliver Mietzsch, Geschäftsführer des ZVNL, dem Verband, der für die Beauftragung und Kontrolle verantwortlich ist, gewandt, dass dieser endlich die Firma Transdev Regio Ost GmbH an ihre vertraglichen Verpflichtungen erinnern möge. Daraufhin wurde von Herrn Mietzsch ein Spitzengespräch unter Beteiligung des ZVNL, der Transdev Regio Ost GmbH sowie der Stadt Grimma für November in Aussicht gestellt, in dem grundsätzliche Dinge geklärt werden sollen.“

Oberbürgermeister Berger hatte sich in gleicher Angelegenheit auch an Landrat Henry Graichen gewandt, welcher als Vertreter des ZVNL Unterstützung zugesagt hat. „Aus meiner Sicht zeigt sich einmal mehr, dass Grimma ohne S-Bahnanbindung nicht ausreichend versorgt ist. Hier muss zwingend eine Änderung herbeigeführt werden“, so das Stadtoberhaupt.

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Ein Kommentar

  1. Leider scheint sich das immer mehr zu verschlimmern. Täglich beobachte ich nun, dass selbst im Berufsverkehr nur noch mit einem Wagen (dem Triebwagen) gefahren wird. Auch die längere Strecke von Leipzig bis Döbeln. Die Wagen sind völlig überfüllt. Das ist nicht hinnehmbar.

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