Papiertheater – Großes Theater en miniature

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Foto: Kreismuseum

Grimma. Bis 30. Juli zeigt das Kreismuseum Grimma eine Ausstellung mit dem Titel „Papiertheater – Großes Theater en miniature“.

Zu sehen ist eine reiche Anzahl an kleinen Theaterbühnen aus Papier, die in der Zeit um 1900 entstanden sind. Ein zweiter Schwerpunkt der Ausstellung ist dem Thema Märchen gewidmet. Gezeigt werden verschiedene klassische Märchendarstellungen der Brüder Grimm und von Hans Christian Andersen. Für die Kinder gibt es eine Aufgabe: sie sollen herausfinden, welche Märchen im Haus verteilt dargestellt sind. Dazu erhält jedes Kind einen Fragebogen. Wurden alle Märchendarstellungen richtig erkannt, geht der Fragebogen mit ein zur Verlosung. Die Gewinner erwartet am 31. Juli um 15.00 Uhr ein märchenhaftes Geschenk. Als einer der Erfinder des Papiertheaters gilt der Augsburger Kupferstecher Martin Engelbrecht (1684-1756). Er produzierte zunächst großformatige Guckkastenbilder für professionelle Guckkasten-Wanderschausteller. Dann kam er auf die Idee, die Bilder zu verkleinern und sie auch Privatkunden anzubieten. Diese in Pappmappen angebotenen Miniatur-„Dioramen“ gelten als früheste Beispiele des Papiertheaters. Das Papiertheater entstand parallel zur Entwicklung des Theaters als Miniaturausgabe der großen Bühne und wurde ab dem Jahre 1810 gleichzeitig in Deutschland und England als Ausschneidebogen produziert und verlegt. Im Zeitalter des Biedermeiers gehörten diese Ausschneidebögen zur sogenannten „Bilderbogenkultur“. Sie durften in keinem bürgerlichen Haushalt fehlen.

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In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelte sich das Papiertheater zum Kindertheater, in dem zunehmend Märchen zur Aufführung kamen. Es wurde im familiären Rahmen vor vielleicht 10 Personen im Wohnzimmer bespielt. In der fertigen Größe erreicht das Theater etwa die Dimension eines mittelgroßen Fernsehers. Alle Teile wie Bühnenfront (Proszenium), Vorhang und Seitenkulissen, die Figuren und Versatzstücke mussten erst ausgeschnitten, dann nach Vorgabe gefaltet und mit Führungsstäben bzw. Haltern aufrecht gestellt werden. Als Beleuchtung übernahmen damals häufig Kerzen diese nicht ganz gefahrlose Aufgabe. Die Bilderbogen wurden vorwiegend von bürgerlichen Schichten zur Erbauung, Unterhaltung und Erziehung der Kinder gekauft und genutzt. Papiertheater waren Symbol und Identifikationsmedium der Theaterbegeisterung der Bürger, die die Oper und das Schauspiel gerade in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für sich entdeckten. Nach 1918, auch mit der Entwicklung von Radio und Fernseher, geriet das Papiertheater als Vermittlungsinstrument für Bildung zunehmend in Vergessenheit. In jüngster Zeit erlebt es jedoch eine Renaissance.

 

Kreismuseum Grimma
Paul-Gerhardt-Straße 43, 04668 Grimma
Telefon:03437/911132

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