Hochwasserschutz nicht vor Ende 2018 fertig – Bigbags und mobiler Hochwasserschutz als Zwischenlösung?

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Grimma. Wann wird eigentlich Grimmas Hochwasserschutzanlage fertig? Das fragen sich viele Grimmaerinnen und Grimmaer, denn die Fertigstellungstermine wechseln immer und immer wieder.

„Die Hochwasserschutzanlage in Grimma soll im Ende 2018 funktionstüchtig sein. Danach erfolgen noch Restarbeiten, die sicher bis ins Jahr 2019 hereinreichen“ ließ uns Katrin Schöne von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) wissen. Allerdings nur eine Zahl von Vielen, wie Oberbürgermeister Matthias Berger beklagt. Immer wieder sei er vertröstet worden, erst auf 2012, dann auf 2016 und nun auf 2018. „Aus welchen Gründen auch immer – die Bauarbeiten an der Schutzanlage sind ins Stocken geraten. Und das, obwohl wir drei Lücken im System haben: Im Bereich Roggenmühle, am Gymnasium sowie zwischen Schloss und Pöppelmannbrücke. Ich kann den Grimmaern das nicht mehr erklären. Vor allem hatten wir derart milde Winter, dass gut und gerne hätte durchgearbeitet werden können.“ läßt sich Berger zitieren. Ein Fertigstellungstermin bereits 2016 hatte sich Berger gewünscht. Allerdings ist dieser Termin unrealistisch, meint zumindest Axel Bobbe, Chef des gesamten Bauprojekts.

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Vorwürfe erhob der Stadtchef gegenüber Axel Bobbe, Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung im Regierungsbezirk: „Ich habe ihn oft nach Grimma eingeladen, allerdings ohne Erfolg.“ Die Spannungen zwischen Berger und Bobbe eskalierten nun soweit, dass Ulrich Kraus, Abteilungsleiter im Umweltministerium, jetzt beide zur Aussprache beorderte. Bobbe erklärte sich und sein Handeln mit dem Vorschlag für die Einrichtung einer Lenkkungsgruppe welche Berger aber nicht wollte. „Nie war von einer Fertigstellung der Mauer 2012 oder 2016 die Rede gewesen“, sagt Bobbe. „Berger konnte oder wollte bis jetzt nicht verstehen, dass an dem bestehenden Fahrplan nichts nachzujustieren, nichts zu beschleunigen ist.“ Als eines der europaweit kompliziertesten Projekte, welches eben Zeit brauche verteidigt Bobbe seinen Zeitplan. Bobbe begrüßt aber im Ausgang des Gesprächs, dass es nun zu regelmäßigen Zusammenkünften auf Leitungsebenen kommen wird.Berger kann die Sorgen seiner Bürger gut verstehen, welche vorallem Angst haben: „Nur deshalb drängle ich. Das ist meine Pflicht. Ich weiß, die Kritiker verstummen, sobald die Mauer komplett steht. Erstmals werden wir eine durchsanierte Stadtsilhouette haben, erstmals einen durchgehenden Weg entlang der Westseite. Die Mauer ist eine Riesenchance für Grimma. Nur darf es bis zur Fertigstellung kein größeres Hochwasser geben. Das ist unser Problem.“

Seitens der LTV wurde der Vorschlag unterbreitet bis zur Fertigstellung der Mauer, die offenen Stellen mit sogenannten Big Bags ( Plastegewebe welches mit Erde und Sand gefüllt wird) und mobilen Wänden im Ernstfall zu schließen. Die Anschaffungskosten müsse aber die Kommune tragen , ließ Bobbe anmerken. In Trebsen gibt es zwar ein Lager in der die Notreserve des Freistaates läge aber diese können nicht genutzt werden weil sie dann fehlen würden. Die genauen Abmessungen will Bobbe Berger zukommen lassen. Berger ist bereit, den Kauf zu tätigen und das Ganze auch in die jährlich angesetzten Hochwasserübungen einzubauen allerdings lehnt er die Verantwortung ab. „Die Landestalsperrenverwaltung muss uns fachlich beraten.“ so Berger und Bobbe? „Hilfe ja, Verantwortung nein. Operative Hochwasserabwehr ist per Wassergesetz Pflichtaufgabe der Kommune.“ Wie die offenen insgesamt 655m und teilweise 4,50m hohen Lücken verschlossen werden sollen konnte die LTV uns nach Anfrage auch nicht erklären: „Die Hochwasserabwehr ist eine rein kommunale Aufgabe. Da die Landestalsperrenverwaltung weder die organisatorische, personelle und finanzielle Ausgangssituation der Stadt kennt, können keine Empfehlungen zur strategischen und operativen Umsetzung sowie der Durchführbarkeit geben werden. Dies obliegt allein der Stadtverwaltung.“ Das letzte Wort ist hier aber sicher noch nicht gesprochen.

 

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