Leserbrief: Der erste Tag in Grimma´s neuer Gemeinschaftsunterkunft

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Grimma. Seit gestern wird die Turnhalle des BSZ in der Karl Marx Straße als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Die freiwillige Helferin Annelie Wendeberg hat uns ihre ersten Eindrücke aus der Unterkunft in einem Leserbrief geschildert. Die Flüchtlingsunterkunft in Grimma öffnete gestern ihre Türen für Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, und anderen von Kriegen zerrissenen Ländern. Ab 8:00 Uhr morgens schraubten Leute des DRK achtzig Doppelstockbetten in Rekordzeit zusammen. Magnus und ich haben nur zwei geschafft. Ein Welle von Schülern des BSZ schwappte durch die achtzehn Wohnabteile (vier Doppelstockbetten in jedem Abteil, teilweise auch Einzelbetten) und ich konnte nicht mal so schnell blinzeln wie die Leute Betten aufstellten und Matratzen bezogen.

Etwa zwei Stunden später traf der erste Bus mit Flüchtlingen ein. Was ich oft höre ist, dass diese Menschen fast nur alleinstehende Männer sind, dass die alle nur unser Geld wollen und unsere Jobs, und dass die allesamt kriminell sind.Was im Laufe des Tages aus diesen Bussen stieg waren Familien. Die Hälfte der 160 Flüchtlinge waren Kinder, viele davon noch sehr klein. Männer und Frauen trugen ihre Habseligkeiten in blauen Müllsäcken herein. Einige wenige sprachen nur Farsi und schienen etwas verloren, denn niemand verstand sie. Die beiden arabischen Dolmetscher wurden von Freiwilligen unterstützt, die spontan bei der Turnhalle auftauchten, um zu sehen ob sie irgendwie helfen können. Die Menschen, die aus diesen Bussen stiegen waren müde, zerzaust, durstig. Ein Lächeln und ein freundliches Wort schienen die Welt für sie zu bedeuten.

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Ich sprach mit einer schwangeren Frau. Ihr Baby kommt in 3 Wochen zur Welt. Es ist ihr viertes Kind und ihr vierter Kaiserschnitt. Sie kennt die Risiken und hatte Angst. Sie wusste nicht, wann sie zum Arzt gehen könnte; sie wusste nicht, wie und ob sie sich nach der Geburt in einer Gemeinschaftsunterkunft mit 160 Leuten erholen kann und wie es ihrem Neugeborenen dann gehen würde. Sie war seit sechs Monaten unterwegs.

Ich habe heute ein arabisches Wort gelernt. mäj heisst Wasser.

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Annelie Wendeberg, freiwillige Helferin aus Grimma

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