Wie es mit dem Oberen Bahnhof in Grimma weitergeht

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Archivbild/Sören Müller

Grimma. Lange war es öffentlich recht still um den markanten Oberer Bahnhof Grimma, dessen schlossähnliche Architektur zu den auffälligsten Bauwerken der Stadt zählt.

Nun deutet sich erneut Bewegung an: Der Leipziger Projektentwickler Samuri Reum will das historische Gebäude sanieren und mit neuem Leben füllen.

Ein Blick zurück zeigt, wie lange das Projekt bereits vorbereitet wird. Die Stadt Grimma hatte das denkmalgeschützte Gebäude, das 1865/1866 im Tudorstil errichtet wurde, im Jahr 2020 an die Investorengesellschaft RE|SA Grundbesitz Management GmbH & Co. übergeben. Für 50.000 Euro erhielt das Unternehmen den Zuschlag, verbunden mit dem Ziel, das Areal umfassend zu entwickeln. Seither ist geplant, mehrere Millionen Euro in die Sanierung und Umnutzung des historischen Bahnhofs zu investieren.

Nach außen hin wirkte es zuletzt ruhig, hinter den Kulissen wurde jedoch intensiv gearbeitet. Wie Reum erklärt, seien die Planungen mehrfach überarbeitet worden, um sämtliche Genehmigungen vorzubereiten. Vor allem raumplanerische Details hätten den Zeitplan zwischenzeitlich verzögert. Inzwischen liegt der Bauantrag beim zuständigen Landratsamt. Rückblickend bewertet der Projektentwickler die Verzögerungen nicht nur negativ: Die aktuellen Konzepte, insbesondere für den Bahnhofsvorplatz, unterscheiden sich deutlich von früheren Entwürfen und gelten als ausgereifter.

Mit Blick auf den Baustart zeigt sich Reum optimistisch. Neben den behördlichen Genehmigungen ist auch ein zusätzlicher Flächenzukauf geplant, um sowohl funktionale Anforderungen als auch den Brandschutz sicherzustellen. Für das rund 1.100 Quadratmeter große Gebäude liegt ein Nutzungskonzept vor, das historische Substanz und moderne Anforderungen verbinden soll. Herzstück bleibt die frühere Wartehalle, die künftig für Gastronomie und Einzelhandel geöffnet werden soll. Ergänzt werden könnte das Angebot durch kleinere Läden sowie touristische Apartments im Obergeschoss. Auch ein großzügiger Außenbereich für Gastronomie ist vorgesehen und soll das Umfeld beleben.

Parallel treibt die Stadt Grimma eigene Planungen voran. Vorgesehen ist eine umfassende Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes – inklusive Vorplatz, einer Neuordnung der Nahverkehrsanbindung sowie zusätzlicher Parkflächen. Angesichts von rund 3.000 Reisenden, die das Areal täglich passieren, kommt der Entwicklung eine zentrale Bedeutung für die städtische Infrastruktur zu.

Foto: (v.l.n.r.) Grimmas Oberbürgermeister Tino Kießig, Landrat des Landkreises Leipzig Henry Graichen, Architekt Marco Stelzel, Bauherr Samuri Reum
Foto: Stadt Grimma

Erste Mietanfragen liegen laut Reum bereits vor. Rückenwind erhält das Projekt zudem durch die städtischen Investitionen in das Umfeld, die als wichtiger Baustein für die Attraktivität des Standorts gelten.

Für den Projektentwickler ist das Vorhaben mehr als ein gewöhnliches Bauprojekt. Der Obere Bahnhof liege ihm persönlich am Herzen, betont Reum. Trotz zahlreicher Hürden habe man nie aufgegeben. Die Zusammenarbeit mit der Stadt, insbesondere seit dem Amtsantritt von Tino Kießig im Mai 2025, beschreibt er als konstruktiv und lösungsorientiert. Diese enge Abstimmung habe maßgeblich dazu beigetragen, dass das Projekt nun vorankommt.

Reum richtet seinen Dank ausdrücklich an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt für deren Geduld und Vertrauen. Wenn alles nach Plan läuft, könnten die lange erwarteten sichtbaren Fortschritte schon bald folgen – und ein bedeutendes Stück Grimmaer Stadtgeschichte eine neue Zukunft erhalten.