Erlebnisbericht: Hochwassereinsatz in Rech

0
2720

Grimma/Colditz/Rech. In einem Beitrag möchte ich euch grob schildern was hier passiert ist und wie ihr helfen könnt.

Gleich vorweg, bevor wieder irgendeiner sich aufregt, das hier ist jetzt kein journalistischer Qualitätsbeitrag sondern ein subjektiver Eindruck.

Wir, also Kameraden des Grimmaer Bauhofs, der Feuerwehren aus Mutzschen, Schkortitz, Colditz, Tanndorf und Zschadrass sind seit Dienstag hier im Einsatz. Die Gemeinden aus Grimma und Colditz hatten ja Helfer entsandt (Wurde ja auch hier berichtet). Als wir hier eintrafen lösten wir erste Kräfte vor Ort ab, welche dann nach Hause gefahren sind. Als erstes konnten wir in Ehlingen helfen, einem kleinen Nebenort von Ahrweiler. Pumpen, Sperrmüll räumen Schlamm schippen, ja das Ganze was wir 2002 und 2013 erlebt haben wiederholt sich auch hier.  Mittwoch zogen wir dann weiter nach Rech.

Anzeige

Rech ist eigentlich ein idyllischer Ort in der Eifel mit einer berühmten Weinkultur. Was wir hier gesehen haben übertrifft bei Weitem Alles was wir bisher erlebt haben. 62 Brücken sollen entlang der Ahr zerstört sein. Dutzende Menschen sollen immer noch vermisst sein, ja das wussten wir aus den Medien aber vor Ort ist das alles noch viel emotionaler oder besser gesagt greifbarer.

Anzeige

Die Menschen hier sind unglaublich dankbar für das was wir hier tun. Dutzende Helfer und Einsatzkräfte, egal ob Bundeswehr, Abschlepper, Landwirte, Polizei, DRK, THW oder Feuerwehr sind vor Ort und retten was zu retten ist. Aktuell sind wir Einheiten aus unserem Landkreis unterstellt die dort in einem Abschnitt die Einsatz Leitung haben, darunter Bennewitz, Wurzen, Thallwitz, Altenbach oder Deuben und wahrscheinlich noch Weitere die ich hier vielleicht vergessen habe. Gestern waren auch Nils Adam (Kreisbrandmeister) und Steffen Kunze (Brandschutzbehörde Grimma und stellv. Kreisbrandmeister)vor Ort um sich ein Lagebild zu erstellen. Hier fehlen ganze Häuser, man kann ja schon sagen Straßenzüge. Etwa einen Kilometer weiter wird noch nach Todesopfern gesucht.

Jeden Tag fliegen Hubschrauber der Bundeswehr noch Gerätschaften ein, Panzer sind unterwegs, Panzer und Bundeswehr bauen neue Brücken um abgeschnittene Ortschaften oder Ortsteile zu erreichen. Es ist der Wahnsinn und hier höre ich jetzt auch erstmal auf mit schreiben und ergänze das hier die Tage. Also immer mal rein schauen lohnt sich.  (Bin übrigens als Kamerad der FF Mutzschen mit vor Ort.) Danke an die Stadtverwaltungen Grimma und Colditz oder auch den Landkreis. die uns hier voll unterstützten wenn Nöte und Fragen sind. Ach eigentlich muss man hier noch viel mehr erwähnen. Die Zusammenarbeit hier untereinander ist einfach toll. Donnerstag und Freitag unterstützten uns dann Kameraden aus Pegau und Groitzsch zusätzlich.

Zu einer Großbaustelle für uns wurde eine Bäckerei in der im hinteren Teil eine internationale Krippenausstellung steht. Die Besitzer haben wir nicht zu Gesicht bekommen und so richtig wissen wir auch nicht warum, nur so viel, die beiden älteren Herren sollen wohl am Leben sein und das war die Wichtigste Information. Engagierte Helfer nahmen sich dem Grundstück an und beseitigten den Schlamm und Sperrmüll gemeinsam mit uns. So wie in jedem anderen Grundstück in diesem Ort, waren sämtliche Kellerräume geflutet und ca. 30 cm Schlammschicht abzutragen. In einem Keller war zusätzlich noch Heizöl ausgelaufen. Der Gestank war kaum zu ertragen.

Zufahrt nach Rech

Im Ort selbst wurde weiter an einem Minimum an Infrastruktur gearbeitet. Zufahrten wurden aufgeschüttet, eine Straße für schwere Maschinen angelegt. Die enormen Müllmassen müssen ja irgendwie raus. Dafür wurden in der Umgebung gewaltige Deponien angelegt. Man darf nicht vergessen, so wie in Rech sieht es in vielen Orten der Ahr aus.

Gleich nebenan liegt der Ort Dernau. In Dernau sieht es genauso aus. Auch hier hat die Flutwelle massive Schäden angerichtet. Über 60 Brücken wurden entlang der Ahr entweder zerstört oder schwer beschädigt. Es wird wohl Jahre dauern bis hier einigermaßen wieder von einer normalen Infrastruktur gesprochen werden kann. Dazu gehören auch Strom/Abwasser/Trinkwasser oder Telekommunikation.

Der Ort Dernau von einem Aussichtspunkt: Foto: Sören Müller

Am Freitag erhielten wir dann einen Spezialauftrag. Eine seit Tagen vor sich hin gammelnde tote Kuh musste eingesalzen und abgeplant werden. Ein Oberleutnant sollte sich seit drei Tagen darum kümmern um die Seuchengefahr zu bannen. Diese Kuh war bereits extrem aufgebläht und drohte explosionsartig aufzuplatzen. Der GEstank war entsprechend bestialisch. Der Soldat erzählte uns, dass hier schon etliche Helfer und Fachleute das Ganze begutachtet hätten aber alle abgelehnt haben. Wir überlegten uns einen Plan und los ging es. Gemeinsam mit einem mutigen Baggerfahrer den wir ansprachen lösten unsere Jungs das Problem. Der Soldat war den Jungs azs Sachsen sehr sehr dankbar.

Die Kuh musste eingesalzen werden damit sie nicht platzt.

Nachmittags ging es dann weiter die letzten Keller in der Bäckerei auszupumpen und unser Team war nach den Tagen langsam auch an sein Grenzen gekommen. Nicht nur die körperliche Arbeit von früh bis abends schlauchte.

Das was man dort erlebt bleibt im Kopf und die gut 30Grad taten ihr Übriges. Schlussendlich konnten wir Freitagnachmittag unsere „Baustell“ abschließen und der Einsatzleitung vor Ort (Die waren übrigens auch aus unserem Landkreis) als erledigt melden. Näheres folgt

 

Spendenkonto Landkreis Leipzig:
Henry Graichen, Landrat Landkreis Leipzig und Matthias Berger, Vorsitzender des Kreisverbandes des Sächsischen Städte- und Gemeindetages rufen gemeinsam zur Unterstützung der Spendenaktion auf,
IBAN DE05 8605 0200 1010 0000 86 –
Sparkasse Muldental
Verwendungszweck: Hochwasserhilfe 2021
Anzeige

Weitere Nachrichten