Leserbrief: Geplanter Kiessandtagebau Leisenau

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Symbolbild/pixabay

Leisenau/Schönbach. Nicht alle sind mit dem geplanten Kiessandtagebau Leisenau einverstanden:

Im Amts- und Mitteilungsblatt der Stadt Colditz Nr. 9 vom 29. Mai 2021 fand sich unter der Rubrik „öffentliche Bekanntmachungen“ ein Artikel zum geplanten Kiessandtagebau Leisenau.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
unter großen zeitlichen und vermutlich auch finanziellen Anstrengungen wurde unter Bürgerbeteiligung das Leitbild 2035 der Stadt Colditz entwickelt. Dieses soll Verwaltung und Stadtrat „sprichwörtlich leiten, das Beste für unsere Gemeinde zu leisten, und zwar nachhaltig für eine lebenswerte Heimat über Generationen hinweg“, so steht es in Ihrem Vorwort. Ich frage, warum es bei einem Projekt wie dem nun zur Diskussion stehenden Kiessandabbau in einer neuen Sandgrube über 22 Jahre und auf einer Fläche von 38 Hektar, was ungefähr 53 Fußballfeldern entsprechen dürfte, nicht auch öffentlichkeitswirksam und dialogorientiert zu einer Information und Einbindung der Bürger kam?

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Sehr geehrte Damen und Herren Stadträte,
Sie sind in Ihren Entscheidungen frei und ausschließlich Ihrem Gewissen unterworfen, Ihnen obliegt es, für unsere Stadt Entscheidungen zu treffen und dabei Wohl und Wehe abzuwägen. Das ein solches Vorhaben Befürworter und Gegner auf dem Plan ruft, ist selbstredend. Dennoch möchte ich Sie fragen: Steht ein 22-jähriger Abbau und dessen Folgewirkung für Natur, Umwelt und nicht zuletzt auch Einwohner – heutige und zukünftige – mit der Begründung der Arbeitsplatzsicherung im Verhältnis? Oder ist es nicht auch so, dass unsere Stadt spätestens in 22 Jahren, dann aber mit einer Grube, vor der Frage steht: War das generationsgerecht? Und während dieser Zeit wird in einem Landschaftskorridor von 14 Metern Breite (!) eine über 500 Meter lange Bandbrücke über die B 107 das Eingangstor zu unserer Stadt sein? „Stadt, Land, Wald“, so wünschten es sich Bürger und Bürgerinnen im Leitbild, wie passt das zusammen? Auch unabhängig von ins Leben gerufenen Bürgerbeteiligungsprozessen gilt es hier, das Ohr an Ihren Bürgern und Einwohnern zu haben und – Ihrem Gewissen unterworfen – zu entscheiden.

Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,
für viele von Ihnen sind 1.875 Seiten Planfeststellungsunterlagen, verfasst im feinsten Amts- und Gutachterdeutsch, ganz sicher abschreckend. Ich möchte Sie dennoch ermutigen, ein Gedankenspiel zu wagen und zu fragen: Können Sie sich in Schönbach, Sermuth und Leisenau  für die nächsten 22 Jahre eine Sandgrube vor der Haustür vorstellen, in der werktags von 6.00 Uhr bis 22.00 Uhr und in Ausnahmefällen auch samstags von 7.00 Uhr bis 16.00 Uhr mittels Radlader, Dumper und ähnlichem Gerät Sand und Kies abgetragen, mittels 500 Meter langem Förderband über die B 107 von A nach B transportiert und dann weiter verarbeitet (gewaschen, gesiebt, zerkleinert) wird? Statt einer Landschaft wird es Grubenausblick und Bandbrücke geben; statt „Stadt, Land, Wald“ wohl vielmehr „Sand, Kies und Brücke kommt bald“ heißen. Sicher wird es nicht nur Gegner, sondern auch Befürworter geben, dennoch steht es jedem frei, sich bis 20. Juli 2021 an die Stadt Colditz, Am Ring 6, 04680 Colditz (schriftlich mit Unterschrift oder persönlich) oder an das Sächsische Oberbergamt, Kirchgasse 11, 09599 Freiberg Ihre Einwendungen zu wenden. Weitere Informationen finden Sie unter www.kein-tagebau-colditz.de. Gern stehen Ihnen auch Elke Hunger und Andrea Mehmel unter keintagebaucolditz@gmx.de für Fragen und Antworten zur Seite.“ Janine Haberecht, Einwohnerin Leisenau

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