Ausstellungen, Finissagen und Feten in Großbothen 725 Jahre lassen den Ort erwachen

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Foto: Detlef Rohde

Grimma/Großbothen. Wenn man nach Großbothen kommt, sieht der Reisende meist nur den Bahnhof oder auf der Straße die Ortsschilder. Was sollte einen auch dazu bringen, in dem Ort, der augenscheinlich nichts zu bieten hat, anzuhalten? Eine berechtigte Frage!

Wer in den Ort fährt, wird auf den ersten Blick nicht viel mehr sehen, als leerstehende Wohnungen und zefallende Häuser, die nur noch ein Schatten dessen sind, was sie einmal waren und deren abbröckelnder Putz noch leise vom Glanz vergangener Zeiten kündet. Und dennoch, seit Wochen haben die Großbothener ihren Ort herausgeputzt, versuchen den Glanz vergangener Zeiten wieder zum leuchten zu bringen, um das 725 jährige Jubiläum zum Bestehen ihres Heimatortes würdig zu behen. Seit einer Woche laufen nun die Feierlichkeiten, im Hintergrund wird noch geplant und geräumt aufgebaut und umgestellt. Ab Sonntag beginnt die letzte Feierwoche, die mit vielen Highlights aufzuwarten weiß. Am Sonntag wird die evangelische Kirche die Festlichkeiten mit einem Ökumenischen Gottesdienst einleiten. Bei einem Sportfest treten die ehemaligen aktiven Mannen des FSV Grün-Weiß Großbothen gegen die Profis des Traditionsvereins des 1. FC Magdeburg an.

In der ehemaligen Schamottfabrik, die mit ihrem zerfallenden Charme von großen Zeiten und unzäligen Festen in den letzten hundert Jahren kündet, stellen die Mitglieder des Heimatvereins, Udo Pohl – der nicht mit Kalle Pohl verwand ist – und Ralf Sachse rund 600 Fotografien aus. In dieser Finissage dreht sich alles um das Leben von den 50er bis hin zu den 80er Jahren. Möglich wurde die Ausstellung, durch die Mithilfe unzähliger Großbothener, die in alten Fotoalben, Kisten und Speichern gegraben haben und so maches längst vergessene Schätzchen beisteuern konnten.

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Zu sehen werden auch Arbeiten des Fotografen Gerhard Weber sein. In seinem über Jahrzehnte enstandenen Archiv, befindet sich eine fast lückenlose Dokumentation der Jugendweihen im Muldental. Darunter auch unzählige Bilder aus Großbothen, die er gerne zu den Jubiläumsfeiern zur Verfügung gestellt hat.

Zudem wird wird ein restaurierter Film gezeigt, in dem der Geschichtshistorische Lehrpfad in und um Großbothen im Jahr 1954 auf Zelluloid gebannt worden ist. So sind unter anderem die Schiffsmühle in Aktion, Schaddel, die Höfgener Kirche, das Jagdhaus Kössern, der Fluchtturm von Batyn, der noch Jahre als Backhaus von Kleinbothen diente, zu sehen. Raritäten, die es heute teilweise so nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form gibt.

Da man sich die einzelnen Veranstaltungsorte erlaufen muss – Großbothen ist so groß nicht – sollte man auch einen Abstecher in das Künstlerhaus in der Schaddelmühle machen. Frank Brinkmann lädt herzlich alle dazu ein, die etwas Ruhe von dem Trubel der Feierlichkeiten suchen, durch die Freiluftgalerie zu schlendern. In der Schaddelmühle selbst sind unter anderem Grafiken von Sigrid Huß zu sehen. Die heute 88-jährige gebürtige Mühlhausenerin war von 1974 – 1981 aktiv als Gründungsmitglied des Kollegiums bildender Künstler der Schaddelmühle verbunden und genießt heute ihren Ruhestand in Berlin. In die Ausstellung sind Porzellanprodukte aus Colditz unter dem Titel „Vom Steingut zum Porzellan, eine regionale Entwicklung“, aus dem Bestand der ehemaligen „Muldental – Route der Keramik e.V. und Fotografien des Colditzer Porzellanwerkes von Eberhard Jasinski integriert und bietem dem Bsucher ein spannendes Erlebnis.

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Mit ein wenig Glück kann man auch Künstlern bei der Arbeit zusehen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Die Schaddelmühle ist Samstags von 8 bis 15 Uhr und Sonntags von 10 bis 15 Uhr für Besucher geöffnet.

Detlef Rohde (Text und Fotos)

 

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