
Markranstädt/Döhlen. Bei archäologischen Untersuchungen entlang der geplanten Trasse einer Fernwärme- und Wasserstoffleitung zwischen Leuna und Kulkwitz haben Archäologen im Landkreis Leipzig eine außergewöhnliche Entdeckung gemacht: Bei Döhlen wurde eine rund 5.500 Jahre alte trapezförmige Grabanlage aus der Jungsteinzeit freigelegt und untersucht.
Die monumentale Anlage stammt aus dem Zeitraum zwischen etwa 3.800 und 3.400 vor Christus und misst rund 20 mal 25 Meter. Das nordost-südwestlich ausgerichtete Trapez war von einem umlaufenden Graben umgeben, der sich deutlich im Boden abzeichnete. Die Langseiten verliefen in östlicher, die Schmalseiten in westlicher Richtung.
Nach Angaben des Landesamtes für Archäologie Sachsen gehört die Anlage zur sogenannten Baalberger Kultur, einem in Mitteldeutschland verbreiteten Kulturkreis der Jungsteinzeit. Charakteristisch für diese Kultur sind bestimmte Keramikformen sowie monumentale Grabanlagen, die vermutlich als Bestattungsorte bedeutender Persönlichkeiten dienten.
Im Inneren der Grabanlage fanden die Archäologen sieben kreisrunde Gruben. In einer westlich gelegenen Grube stießen sie auf die Bestattung eines Menschen in typischer Hockerlage. Der Verstorbene lag auf der Seite, mit dem Kopf nach Süden und dem Blick nach Westen. Weitere Grabbeigaben wurden nicht entdeckt. Auch die größeren und tiefer angelegten Gruben blieben weitgehend fundleer. Lediglich in zwei kleineren Gruben kamen einige Keramikscherben zum Vorschein.
Die Entdeckung reiht sich in eine Serie ähnlicher Funde im Landkreis Leipzig ein. Vergleichbare trapezförmige Grabanlagen wurden in den vergangenen Jahren bereits in Altranstädt, Zwenkau und Kieritzsch nachgewiesen. In den meisten dieser Anlagen befand sich eine einzelne Bestattung, nur in seltenen Fällen wurden zwei Personen beigesetzt.
Archäologen gehen davon aus, dass diese aufwendig errichteten und vermutlich einst von einem Erdhügel überdeckten Grabmale für Menschen mit besonderem gesellschaftlichem Status geschaffen wurden. Die monumentale Bauweise deutet darauf hin, dass deren Errichtung die Mitarbeit größerer Gemeinschaften erforderte.
Wer einen Blick auf die laufenden Untersuchungen werfen möchte, erhält dazu am Tag des offenen Denkmals am 13. September 2026 Gelegenheit. Zwischen 11 und 15 Uhr können Besucher die Grabungsflächen entlang der künftigen Leitungstrasse besichtigen. Die wissenschaftlichen Grabungsleiter Stefan Tessenow und Frank Schell vom Landesamt für Archäologie Sachsen führen über das Gelände und beantworten Fragen zu den aktuellen Forschungen. Treffpunkt ist am Ortsausgang von Quesitz in Richtung Döhlen. Aufgrund des Geländes wird festes Schuhwerk empfohlen.











