Situation in Sachsen sei dramatisch: Kretschmer bereit für „harten und klaren Wellenbrecher“

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Foto: pixabay

Sachsen. Ministerpräsident Michael Kretschmer hat angesichts der dramatischen Corona-Lage im Freistaat Sachsen ein entschiedenes und gemeinsames Vorgehen aller Bürgerinnen und Bürger und aller Verantwortlichen gefordert.

„Wir brauchen den solidarischen Zusammenhalt – vom Ich zum Wir ist jetzt das Gebot der Stunde. Nur so schaffen wir es“, sagte der Regierungschef am Donnerstag im Sächsischen Landtag in Dresden in einer aktuellen Debatte zur Corona-Pandemie.

Kretschmer verwies darauf, dass in Sachsen 1,2 Millionen Menschen noch nicht geimpft sind, darunter 300.000 über 60-Jährige. Diese Menschen würden in den nächsten Wochen und Monaten erkranken. Trotz vielfältiger Aufklärungsaktionen sei die Impfquote mit 57 Prozent bundesweit am niedrigsten, die Infektionsrate am höchsten mit aktuell rund 760. Es gebe einen direkten Zusammenhang zwischen der geringen Impfquote und der hohen Inzidenz.

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Zugleich ging er auf die Äußerungen von Wissenschaftlerinnen und Ärzten ein, die vor einer Überlastung der Krankenhäuser und vielen weiteren Toten warnen, wenn nicht schnell und entschlossen gehandelt werde. Bereits jetzt sei die Situation in Sachsens Krankenhäusern teilweise dramatisch.

Kretschmer verglich die derzeitige Situation mit bereits gebrochenen Dämmen bei Hochwasserkatastrophen und mahnte: „Wir können es nicht laufen lassen.“ Es brauche dringend jetzt ein Eingreifen und ein deutliches Reduzieren der Kontakte um 60 Prozent. Die Koalition in Sachsen sei bereit, einen »harten und klaren Wellenbrecher« für zwei oder drei Wochen zu organisieren. Es sei auch eine Entscheidung darüber, wie viele Menschen weniger in den nächsten Tagen und Wochen in die Krankenhäuser, auf die Intensivstationen müssten und »wie viele Menschen weniger sterben werden“.

Der Ministerpräsident nannte die anhaltende gezielte Desinformation in sozialen Netzwerken ein Teil des derzeitigen Problems. „Wer über Monate Lügen hört, wird am Ende nicht mehr wissen, was die Wahrheit ist.“ Das sei auch ein Grund für die niedrige Impfquote. Er warf denjenigen, die die Pandemie jetzt noch leugnen und dieses Spiel immer noch betreiben vor, sich schuldig zu machen.

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Kretschmer rief dazu auf, Verantwortung in dieser kritischen Lage für dieses Land zu übernehmen. Man habe es mit einer gemeinsamen Herausforderung zu tun. Gemeinsam gelte es, Schaden abzuwenden.

Hintergrund: In Sachsen ist die Zahl der Geimpften bundesweit am geringsten. Zugleich hat der Freistaat unter den Bundesländern weiter die mit Abstand höchste Infektionsrate. Insgesamt starben seit Ausbruch der Pandemie in sächsischen Städten und Gemeinden bereits 10.597 Menschen. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg am Donnerstag im Freistaat laut Robert Koch-Institut auf 761,4. Der Bundesschnitt liegt bei 336,9. Die Inzidenz bei den Ungeimpften liegt mit 1800 um ein Vielfaches höher als bei den Geimpften.

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