Grimmaer Wehr zog Bilanz – Ehrung für 50 Jahre Feuerwehr

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Foto: Sören Müller

Grimma. Am Freitag kamen die Kameradinnen und Kameraden der freiwilligen Feuerwehr Grimma zur Jahreshauptversammlung zusammen und zogen Resümee.

Das Jahr 2016 begann für die Wehr mit Veränderungen, wie berichtet wurde eine neue Wehrleitung gewählt und Michael Grimm übernahm die Wehrleitung. In seinem als Wehrleiter ersten Rechenschaftsbericht zog er Bilanz und übte auch Kritik. „Leider leben wir in einer Zeit in der das Sparen und einsparen zunehmend an Bedeutung gewinnt und vieles in Frage gestellt wird. Seit 2005 kurz nach der Übergabe des Gerätehauses kämpfen wir um die Beseitigung von Baumängeln. Zur letzten Jahreshauptversammlung wurde uns Versprochen das Thema anzugehen. Aber die Prioritäten liegen halt wo anders, so das durch die Bemühungen von Frau Werner, Frau Kabitzsch und unsererseits kein Erfolg beim Hochbauamt, deren Aufgabe das ist, zu verzeichnen war.“ Gemeint sind Risse die im gesamten Gerätehaus zu sehen sind und immer größer werden.

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Wir haben hier ein Gerätehaus mit modernster Technik in Millionenhöhe um unsere Aufgaben optimal zu bewältigen, aber für die langfristige kostengünstigere Werterhaltung des Gebäudes fehlen die Mittel. Die Kameraden sind auch bereit in Ihre Freizeit unentgeltlich einige „normale“ arbeiten selbst fachgerecht durchzuführen. Es sind ja alle Gewerke durch die Mitglieder vertreten, aber das Material müsste schon gestellt werden.

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Auch über die Disskussion der Feuerwehr das sogenannte „Einsatzgeld“ einzukürzen fand Grimm klare Worte: „Vor Jahren, als die Gemeinde Grimma noch aus einer Handvoll Ortsteilen bestand waren die Stadträte der Auffassung als Motivation und Anerkennung der übermäßigen Belastungen und Anforderungen an die Kameraden der Feuerwehr Grimma eine Aufwandsentschädigung festzulegen, die 6 Euro je Einsatzstunde beträgt. Diese Aufwandsentschädigung bekommt jede Einsatzkraft, wenn sie in Ihre Freizeit zu Einsätzen der Feuerwehr erscheint. Die Aufgaben sind nicht weniger oder leichter geworden nur die Anzahl der Feuerwehren sind durch die Eingemeindungen gewachsen demzufolge auch die Gesamtsumme der Aufwandsentschädigung. Bei Diskussionen in der Stadtverwaltung redet man immer über Einsatzgeld, das es sich dort um eine Aufwandsentschädigung handelt ist wahrscheinlich einigen nicht bewusst. Zum Hinweis der Mindestlohn in Deutschland liegt bei 8,50 Euro.

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Das permanente in Fragestellen von Einsatztaktiken, gemeint sind hier z.b. wieviele Fahrzeuge zu welchem Einsatz ausrücken dürfen, und die damit verbundene Aufwandsentschädigung ist für Grimmas Wehrleitung nicht mehr akzeptabel.  „Man sollte die Arbeit und die praktische Erfahrung die über Jahrzehnte gewachsen sind nicht ständig in Kosten umrechnen. Die Kameraden und Kameradinnen machen auch keine Abstriche in ihre Einsatzbereitschaft und geben bei jedem Einsatz das Beste. Darum ist es dringend notwendig darüber nachzudenken ob es Sinn macht an einer Ehrenamtlichen Tätigkeit die ja eine Pflichtaufgabe der Stadt ist Sparmaßnahmen vorzunehmen.

Das auf die Einsatzkräfte auch 2016, egal ob am  Wochenende, an Feiertagen , im Urlaub, Tag und Nacht 365 Tage im Jahr, Verlass war zeigen 143 Einsätze.

Der erste Einsatz 2016 war am 03.01. als in Bernbruch ein Schornstein in Flammen geriet. Mitte Februar kam es zum Dachstuhlbrand eines Wohnhauses in Fremdiswalde. Zwei Bewohner wurden an den Rettungsdienst zur Kontrolle übergeben. Im weiteren Einsatzverlauf bekam ein Junger Feuerwehrmann aus Nerchau einen Dachziegel ab und musste ins Krankenhaus, kurze Zeit später musste eine Kameradin von Fremdiswalde mit starken Hustenanfällen an den Rettungsdienst übergeben werden.

Am 17.05. wurden die Kameraden zu einem schweren Unfall auf der A14 Richtung Leipzig gerufen. „Nachdem wir uns die Rettungsgasse freigekämpft haben standen wir vor einen Mercedes Sprinter der sich unter einen Sattelzug geschoben hatte. Leider kam für den Transporter Fahrer jede Hilfe zu spät, umso belastender war es den Verunfallten mit großer Mühe aus der stark zerstörten und verkeilten Fahrzeugkabine zu befreien. Eine Einsatznachsorge im Rahmen von Gesprächen und einer Auswertung nach dem Einsatz ist deshalb ein fester und bewährter Bestandteil in unserer Feuerwehr.“

11 mal rollten die Einsatzkräfte  am 27.07. aus der Fahrzeughalle: „9 mal galt es, nach einem heftigen Unwetter zum abpumpen von Wasser in mehreren Gebäuden auszurücken.“
Am 10.08. krachte es auf der Ampelkreuzung Beiersdorferstrasse / Wiesenstrasse. Ein „Hummer“ fuhr seitlich frontal in einen PKW Mercedes Benz wobei der Fahrer des Mercedes sich nicht eigenständig aus dem Fahrzeug befreien konnte. „Mit schwerem Gerät befreiten wir den Mann aus seiner Notlage und übergaben Ihn den Rettungsdienst

Am 30.08. kam es wohl zum spektakulärsten Einsatz:  „Dachstuhlbrand Husarenhof“: „Trotz kurzem Anfahrtsweg stand der Dachstuhl des Hotels im Vollbrand„. Zum Glück sind alle Gäste und Angestellte noch rechtzeitig aus dem brennenden Gebäude gekommen so das keine Personen zu größeren Schaden gekommen sind, mit Unterstützung der nachgeforderten Kräfte der Feuerwehr Hohnstädt und einer 2. Drehleiter aus Wurzen konnte das Feuer schnell in Griff  gebracht werden. „Dabei bewies es sich wieder dass ein gut geführter Innenangriff mit gut ausgebildeten Kräften zu schnellen Löscherfolgen führt.„, denn der Brand war binnen kürzester Zeit gelöscht.

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Im September kam es auf der Kreuzung B107 /Autobahnzubringer zu einem tödlichen Unfall: „Ein LKW und ein PKW sind ineinander gefahren, die eingeklemmte Person wurde schnell befreit und dem Rettungsdienst übergeben, vor Ort landete auch ein angeforderte Rettungshubschrauber.“ Der PKW Fahrer überlebte seine Verletzungen leider nicht.

Am 11.11. rückten wir gleich 3 mal aus – 18:36 Uhr stark qualmender Reifen bei einem LKW auf der A14 Richtung Leipzig. Das Radlager an der Hinterachse war heiß gelaufen, wir kühlten es und Begleiten zusammen mit der Autobahnpolizei das Fahrzeug auf einen Sicheren Parkplatz.  20:00 Uhr: brennender PKW nach Unfall auf der A14, diesmal Richtung Dresden. Ein BMW wollte die Spur wechseln und beachtete den nachfolgenden Verkehr nicht und verursachte einen Unfall mit einen Mercedes. 23:28 Uhr Verkehrsunfall mit 3 Personen Richtung Bahren: Bei Eintreffen ist der Rettungsdienst schon vor Ort gewesen und alle Personen waren aus überschlagenen Fahrzeug befreit, die Unfallstelle wurde abgesichert und Ausgeleuchtet und später an die Feuerwehr Nerchau, die ebenfalls alarmiert wurde, übergeben.

Ein LKW war auf A 14 in Richtung Leipzig mit Stahlmatten umgekippt. Die Feuerwehr wurde zur Ausleuchtung der Einsatzstelle und zur Sicherstellung des Brandschutzes hinzugezogen.

Kaum hat der Kamerad Brendel seinen weg wieder in unsere Stadt gefunden und damit wieder als Mitglied in unsere Feuerwehr wurde am 14.12. um 0:55 sein Motorrad Opfer von Flammen.

Kurz vor Weihnachten löste wieder einmal die Brandmeldeanlage im Roten Ochsen aus: „Nach Eintreffen der ersten Kräfte wurden die Kameraden von 2 angetrunkenen Bewohnern beschimpft, einer versuchte in das Fahrzeug zu gelangen und zog den Maschinisten an der Einsatzbekleidung, eine Bierflasche flog auch noch. Die Polizei kümmerte sich um die beiden Männer so, dass wir die Ursache des Alarmes klären konnten. Einer der Männer hatte im Vorfeld einen Handmelder im Gang vorsätzlich ausgelöst. Am nächsten Tag reagierte die Stadtverwaltung sofort und führte mehrere Gespräche mit Polizei und den Betreibern der Unterkunft. Wir hoffen alle das solche Angriffe auf Helfer ein Einzelfall bleiben und sich nie wiederholen.

Der letzter Einsatz  war am Silvestertag eine Türöffnung: „Eine Frau war gestürzt und konnte sich nicht mehr bewegen. Der Krankenpflegedienst konnte nicht durch die Polizei erreicht werden. Da der Rettungsdienst zwar kein Zutritt aber mit der Frau sprechen konnte, hatten wir Zeit und konnten die Tür so öffnen das fast kein Schaden entstand und die Wohnung nach Abtransport wieder verschlossen werden konnte.“

Einige Bürger der Stadt Grimma denken heute noch das die Grimmaer Wehr eine Berufsfeuerwehr sei. Das ist auch kein Wunder, denn nach 143 Einsätzen wurden auch noch  38 Ausbildungsdienste, das entspricht insgesamt 3040 Stunden, absolviert. Zusätzlich kam die Ausbildung auf Digitalfunk hinzu.

Außerdem wurden Lehrgänge auf Gemeindeebene absolviert an denen 15 Kameraden und Kameradinnen mit insgesamt 658 Ausbildungsstunden teilnahmen. 46 Kameraden besuchten die Atemschutzübungsanlage im FTZ Trebsen um die Befähigung als Atemschutzgeräteträger zu behalten. 7 Lehrgänge an der Landesfeuerwehrschule wurden mit insgesamt 25 Ausbildungstagen besucht.

Dieser enorme Zeitaufwand ist für Grimm ein bedeutender Grundstein um erfolgreich, die geforderten Aufgaben professionell abarbeiten zu können.“Zusätzlich werden aber auch noch Veranstaltungen abgesichert und eine gute Jugendarbeit von einigen Kameraden abgedeckt.

An dieser Stelle möchte ich Danke sagen an alle Arbeitgeber und Familienmitglieder die den Kameraden und Kameradinnen viel Verständnis entgegen bringen um diese starke Leistung zu erbringen. Ein Dank gilt auch allen Unterstützern unserer Wehr

Auch die Jugendarbeit kam 2016 nicht zu kurz. Auch für Ronny Granzow war es der 1. Rechenschaftsbericht als neuer Jugendwart. Insgesamt sind in der Jugendfeuerwehr Grimma 5 Mädchen und 25 Jungen aktiv und werden von einem achtköpfigen Team betreut welche 735 Stunden in die Kids investiert haben. Insgesamt wurden so 20 Jugenddienste und 11 Sonderdienste abgeleistet. Ein Hauptaugenmerk dabei liegt auf der kindgerechten, realitätsnahe, Ausbildung um die Jugend bestmöglich auf den aktiven Dienst vorzubereiten. Besondere Highlights waren der diesjährige Berufsfeuerwehrtag und das Zeltlager in Roda. Außerdem wurden Freundschaften mit anderen Wehren gepflegt. Kamerad Karsten Röhner übergab dann der Jugendfeuerwehr noch eine private Spende, neue Übungsfunkgeräte, für die sich Ronny Granzow auch herzlich bedankte.

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Auch die Alters- und Ehrenabteilung war 2016 wieder aktiv und führte zahlreiche Veranstaltungen durch, z.B. ein Besuch in der Flughafenfeuerwehr Leipzig/Halle. Berndt Tilsner führte insgesamt 135 Kinder aus Kitas oder Schulen durch das Gerätehaus.

Oberbürgermeister Matthias Berger lobte die Arbeit der Einsatzkräfte und stellte die Wichtigeit der Grimmaer Wehr eben auch aufgrund des hohen Einsatzaufkommens dar, machte aber auch deutlich dass man Prioritäten setzen muss, in Zeiten in denen die Fianzierung der Feuerwehr für ihn immer mehr zum Kraftakt würde. „Es wird viel weniger gefördert“. Für das Rissproblem versprach er eine Lösung, verwies allerdings auf die Prioitätenliste. Außerdem stellte er auch nochmal klar, dass der Brandschutzbedarfsplan eine Wunschliste ist und keine Bestellliste.

Die Höhepunkte waren dann noch Ehrungen und Beförderungen. Zum Feuerwehrmann/frau wurden Max Grimm, Philipp Hofmann, Melissa Künzel und Lukas Ritter befördert. Oberfeuerwehrmann/frau wurden Anne Marie Haase, Tim Meyer und Nick Scholz. Hauptfeuerwehrmann/frau wurden Karsten hermert, Michael Kobbe, Jennifer Lauckner, Michael Lösch, Benny Mittasch, Elisabeth Seftel und Martin Papsdorf. Löschmeister wurden Mirco Kutzscher, Sarah Neitzke, Max Richter, Thomas Schwarz und Kathleen Schulz.

Für 10-Jahre Feuerwehrdienst wurden Kathleen Schulz und Ronny Granzow geehrt. Ehrenmitglieder wurden Gotthard Weißmüller, Harald Bott und Detlef Leonhardt.

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Für 50 Jahre Feuerwehr wurden Reinhardt Langner und Jürgen Bäurich geehrt.

 

 

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