Grimma. Nachdem zuletzt bekannt geworden war, dass ein US-Unternehmen offenbar die Produktion von Marschflugkörpern im Raum Leipzig plant, sind auch in Grimma erneut Spekulationen aufgekommen.
Im Mittelpunkt der Gerüchte steht der neue Industriepark im Norden der Stadt. Doch nach aktuellem Stand gibt es keine Hinweise darauf, dass dort eine Rüstungsproduktion entstehen soll. Der Industriepark Grimma verfügt über drei große Hallen und steht seit mehreren Monaten leer. Bei der Vermarktung wurde das Areal von Eigentümer HINES als moderner Produktionsstandort positioniert. Die flexiblen Nutzungsmöglichkeiten sollten insbesondere auf die Anforderungen von Zulieferern der Automobilbranche sowie produzierenden Industriebetrieben zugeschnitten sein.
Der Standort ist verkehrstechnisch gut angebunden. Der Industriepark liegt im Norden Grimmas, rund 30 Kilometer vom BMW-Werk in Leipzig entfernt. Über die Bundesstraße 107 sowie die nahegelegene Autobahn A14 bestehen zudem direkte Verbindungen in Richtung Leipzig und zum Flughafen Leipzig/Halle.
HINES: Keine Gespräche mit Rüstungsunternehmen
Auf Anfrage äußert sich HINES zu den aktuellen Spekulationen zurückhaltend. Das Unternehmen erklärt: „Das Unternehmen Hines befindet sich weiterhin in Verhandlungen mit Mietinteressenten, so dass es derzeit keine weiteren Informationen dazu bekanntgeben kann. Gespräche mit Rüstungsunternehmen führt Hines nicht.“ Damit bestätigt der Eigentümer zwar, dass Gespräche mit potenziellen Mietern laufen, widerspricht jedoch ausdrücklich der Vermutung, dass derzeit Verhandlungen mit einem Rüstungsunternehmen geführt werden.
Bebauungsplan setzt enge Grenzen
Auch unabhängig von den aktuellen Verhandlungen wäre eine Ansiedlung eines entsprechenden Produktionsbetriebs in Grimma nicht ohne Weiteres möglich. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Stadtverwaltung auf eine entsprechende Anfrage auf die Festsetzungen des Bebauungsplans hingewiesen. Für das Gebiet „Industrie- und Gewerbegebiet Nord III – A 14, 3. Abschnitt“ (Bebauungsplan Nr. 91) ist demnach festgesetzt, dass sogenannte Störfallbetriebe im Industriepark ausgeschlossen sind. Dabei handelt es sich um Betriebe, in denen gefährliche Stoffe in solchen Mengen vorhanden sind oder entstehen können, dass die festgelegten Mengenschwellen der Störfallverordnung erreicht oder überschritten werden. Die Stadtverwaltung verwies in diesem Zusammenhang bereits 2025 darauf, dass bei Produktionsprozessen in der Rüstungsindustrie beispielsweise explosive Stoffe, Chemikalien oder andere gefährliche Materialien zum Einsatz kommen beziehungsweise anfallen können und diese grundsätzlich unter die Regelungen der Störfallverordnung fallen können.
Gerüchte um Standort Grimma derzeit nicht bestätigt
Die Spekulationen über Grimma dürften damit vor allem durch die Kombination aus dem leerstehenden Industriepark und den bekannt gewordenen Plänen für eine mögliche Marschflugkörper-Produktion im Raum Leipzig entstanden sein. Einen konkreten Hinweis auf Grimma gibt es bislang jedoch nicht. HINES bestätigt lediglich laufende Gespräche mit Mietinteressenten und stellt klar, dass derzeit keine Gespräche mit Rüstungsunternehmen geführt werden. Hinzu kommen die planungsrechtlichen Vorgaben für den Industriepark. Ob und wann eine der drei Hallen im Industriepark Grimma künftig wieder genutzt wird, bleibt damit weiterhin offen. Eine Ansiedlung eines Rüstungsbetriebs für die Produktion von Marschflugkörpern ist nach derzeit vorliegenden Informationen jedenfalls nicht bestätigt.












