Niederschläge und Spätfröste machen Ernteerwartungen in Sachsen zum Glücksspiel

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Sachsen. Am 28. Juni 2024 fand im Landwirtschaftsbetrieb Milchcenter »Dorfheimat« Prausitz eG die Ernteauftakt-Pressekonferenz des Sächsischen Landesbauernverband e. V. (SLB) statt.

Obwohl die sächsischen Landwirte mit überdurchschnittlichen Niederschlägen aus dem Winter optimistisch in das Frühjahr starten konnten, erschwerten die wassergesättigten Böden großflächig die Aussaat der Sommerkulturen. Die Winterbestände hingegen konnten sich aufgrund milder Temperaturen sehr gut etablieren und waren zeitweise ihrem Entwicklungsstadium gegenüber dem letzten Anbaujahr 21 Tage voraus.

Einen Dämpfer für die Winterkulturen gab es dennoch: Ende März sorgten die Spätfröste für noch unkalkulierbare Auswinterungsschäden. Bauernpräsident Torsten Krawczyk ist gespannt: „Wie sich die Spätfröste auf die Erträge und auf die Qualität der Sommer- und Winterkulturen ausgewirkt haben, bleibt noch offen. Die Wintergerste könnte ziemlich gelitten haben, einige Landwirte fanden vermehrt taube Ähren in ihrem Getreide vor. Wir erwarten gespannt die Meldungen der Ernte, die das Ausmaß der Schäden zeigen werden. Am Ende ist es aber wie so oft: Die Druschsaison ist ein nicht beeinflussbares Glücksspiel.“

Anders als erwartet, konnte die Ernte in diesem Jahr trotz der schnellen Reife im Frühjahr nicht eher starten. Die meist nassen und kühlen Junitage sorgten im weiteren Verlauf für eine langsame Abreife der Wintergerstenbestände. In Sachsen muss man jedoch stark regional unterscheiden. Während die Niederschläge und die niedrigen Temperaturen im Erzgebirge für geringere Ernte sorgen können, könnte die dürregeplagte Region Nordsachsen ein wenig aufatmen und wieder durchschnittliche Erträge einfahren.

Landwirtschafts-Staatssekretärin Gisela Reetz: „Die Landwirtinnen und Landwirte stehen auch in Sachsen vor riesigen Aufgaben. Die Klimakrise schlägt in Form von Extremwetterlagen durch, es gibt gesellschaftliche Diskussionen, ökologische dringende Handlungsbedarfe und großen wirtschaftlichen Druck. Das zeigen die letzten Monate und Jahre, das zeigen auch die Zahlen der Agrarberichterstattung. Das heißt: Es braucht eine umfassende Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit. Daran arbeiten wir. Zugleich wollen wir den bürokratischen Aufwand möglichst reduzieren. Die Landwirtinnen und Landwirte sollen ihre Höfe bewirtschaften und nicht die Aktenschränke. All das versuchen wir gemeinsam mit der Branche unter einen Hut zu bringen – auch in einem noch intensiveren Dialog. Allerdings darf Bürokratieabbau nicht heißen, dass wir in punkto Ökologie und Klimaschutz den Rückwärtsgang einlegen.“

Größere Sorgen als das Wetter bereiten den sächsischen Landwirten die kontinuierlich fallenden Marktpreise in den letzten vier Wochen. Eine Stabilisierung sei nicht in Sicht. Durch den geringen Absatz der Ernte im Vorjahr sind vielerorts die Lager noch gefüllt mit Erntegut, das mitunter nicht mehr zur Lebensmittelverarbeitung verwendet werden kann. Die Lage spitzt sich nun zum Start der diesjährigen Erntesaison weiter zu. Der notwendige Sofort-Verkauf ihrer Druschfrüchte kommt den Landwirtschaftsbetrieben teuer zu stehen. „Volle Lager, niedrige Marktpreise und Verkaufszwang zerstören unsere heimischen Marktfruchtbetriebe“, so Krawczyk.