Sachsen. Das neuartige Shamonda-Virus ist erstmals bei Rindern in Sachsen nachgewiesen worden.
Nachdem der Erreger vor wenigen Wochen bereits in Süddeutschland, der Schweiz und Ostfrankreich festgestellt worden war, wurde nun ein Rind aus einem Bestand im Vogtland positiv getestet. Die Landesuntersuchungsanstalt Sachsen (LUA) stellte den Befund fest, der am 28. August 2026 durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigt wurde. Auch im Erzgebirge gibt es bereits einen weiteren Verdachtsfall. In von der LUA untersuchten Proben aus einem Rinderbestand wurde das Virus ebenfalls festgestellt. Die Proben wurden zur endgültigen Bestätigung an das FLI weitergeleitet. Das Ergebnis steht noch aus.
Damit hat das Virus Sachsen offenbar innerhalb kurzer Zeit erreicht. Nach Angaben des Freistaates wurde der Erreger inzwischen neben Sachsen auch in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland nachgewiesen.
Fieber und deutlicher Milchrückgang als typische Symptome
Beim Shamonda-Virus handelt es sich um einen neuartigen Erreger aus der Gruppe der Orthobunyaviren. Besonders bei Milchkühen können ein deutlicher Rückgang der Milchleistung und Fieber auf eine Infektion hinweisen. Zusätzlich können Durchfall sowie Atemwegssymptome auftreten.
Übertragen wird das Virus durch Stechmücken beziehungsweise Gnitzen. Der Erreger kann sich dabei offenbar schnell innerhalb eines Bestandes und zwischen verschiedenen Beständen ausbreiten. Häufig erkranken mehrere Tiere einer Herde.
Die derzeitigen Wetterbedingungen mit milden Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit können die Aktivität der Überträger begünstigen und damit die Ausbreitung des Virus fördern.
Folgen für trächtige Tiere noch unklar
Wie schwerwiegend die langfristigen Folgen einer Infektion sein können, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Das Shamonda-Virus ist eng mit Viren der Simbu-Serogruppe verwandt. Zu dieser gehören unter anderem das Schmallenberg-Virus und das Akabane-Virus.
Deshalb besteht insbesondere mit Blick auf trächtige Tiere Grund zur Vorsicht. Eine Infektion während der Trächtigkeit könnte möglicherweise zu Aborten, Totgeburten oder Fehlbildungen bei den Nachkommen führen. Ob und in welchem Umfang dies beim Shamonda-Virus tatsächlich der Fall ist, ist derzeit jedoch noch nicht geklärt.
Das bisher beobachtete akute Krankheitsgeschehen betrifft ausschließlich Rinder. Die auftretenden Symptome können nach Angaben der Behörden tierärztlich behandelt werden. Erkrankte Tiere genesen in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen. Eine Impfung gegen das Virus steht derzeit nicht zur Verfügung.
Tierhalter sollen Bestände genau beobachten
Sachsens Sozialministerin Petra Köpping appelliert an die Rinderhalter, ihre Bestände aufmerksam zu kontrollieren: „Unsere Veterinärbehörden stehen mit denen von Bund und Ländern in engem Kontakt und analysieren die Lage. Wichtig sind die regelmäßige Kontrolle der Rinderbestände und ein möglichst effektiver Mückenschutz in den Ställen.“
Als vorläufige Schutzmaßnahmen werden unter anderem empfohlen:
- Rinderbestände regelmäßig auf Krankheitssymptome kontrollieren
- Mückenschutz in den Ställen verbessern, beispielsweise durch Netze oder geeignete Insektizide
- Für mehr Luftbewegung im Stall sorgen, etwa durch den Einsatz von Lüftern
- Weideflächen unter Berücksichtigung der Windverhältnisse auswählen
- Verdächtige Tiere isolieren und erkrankte Tiere tierärztlich behandeln lassen
Besondere Aufmerksamkeit sollten Tierhalter zudem Aborten, Totgeburten sowie missgebildeten Kälbern schenken. Solche Fälle sollten aus möglicherweise betroffenen Beständen besonders sorgfältig untersucht werden.
Informations-Webinar für Rinderhalter
Um über den neuen Erreger und die aktuelle Situation zu informieren, findet am 10. September 2026 um 14 Uhr ein Informations-Webinar für Rinderhalter und praktische Tierärzte statt. Weitere Informationen dazu stellt das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt (SMS) auf seiner Internetseite bereit. Für die Behörden steht derzeit vor allem die weitere Beobachtung der Situation im Vordergrund. Noch ist nicht abzusehen, wie weit sich das Shamonda-Virus in Sachsen ausbreiten wird und welche möglichen Folgen insbesondere für trächtige Tiere zu erwarten sind.












