Grimma/Böhlen. Es gibt Unternehmen, deren Geschichte zugleich ein Stück Regional- und Handwerksgeschichte ist. Das Dachdeckerunternehmen Wolfgang Keller gehört zweifellos dazu.
Am 6. Februar 1886 gründete Gustav Keller als Mitbegründer der Dachdecker-Innung Leisnig-Rochlitz den Familienbetrieb – und legte damit den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte, die nun seit 140 Jahren andauert.
Seit der Gründung wurde das Unternehmen durch fünf Generationen geführt. Auf Gustav Keller folgten Paul und Arthur, später Friedrich und Wolfgang Keller. Sie alle meisterten nicht nur handwerkliche Herausforderungen, sondern führten den Betrieb auch durch schwere Zeiten: zwei Weltkriege, politische Umbrüche und die Jahre der kommunistischen Planwirtschaft prägten das Unternehmen ebenso wie der anschließende Übergang in die Marktwirtschaft. Anpassungsfähigkeit und Durchhaltevermögen waren dabei stets entscheidend.
Heute steht Andreas Keller an der Spitze des überwiegend für Privatkundschaft tätigen Familienbetriebs. Der Dachdeckermeister ist seit 2015 Geschäftsführer und verkörpert die Verbindung von Tradition und Moderne. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit engagiert er sich weit über den Betrieb hinaus: Als stellvertretender Innungsobermeister, Mitglied im Gesellenprüfungsausschuss der Handwerkskammer zu Leipzig sowie im Ortschaftsrat bringt er sich ehrenamtlich für Handwerk und Kommune ein.
Ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensgeschichte ist auch die Ausbildung. Über die Jahrzehnte hinweg wurden zahlreiche Lehrlinge ausgebildet, darunter zwei Meister, die heute selbst erfolgreich eigene Betriebe führen. Trotz des allgegenwärtigen Fachkräftemangels kann Andreas Keller auf ein starkes, motiviertes Team bauen – ein Umstand, auf den er besonders stolz ist.
Der Blick richtet sich dabei nicht nur auf die Gegenwart, sondern auch auf die Zukunft. Mit Sohn Mika Keller steht bereits die sechste Generation in den Startlöchern: Er erlernt derzeit selbst den Beruf des Dachdeckers. Für Andreas Keller ist das ein Zeichen, dass das Handwerk auch künftig Bestand haben wird – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen. Sein Wunsch: mehr Wertschätzung für den Traditionsberuf und stabile Voraussetzungen für das gesamte Handwerk durch die Entscheidungsträger.
Getragen wird der Betrieb bis heute von klaren Werten: Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Kundennähe und ein festes Werteverständnis. Ebenso wichtig ist die Innung, die für Keller mehr bedeutet als reine Organisation. Sie steht für eine starke Interessengemeinschaft, für gemeinsames Auftreten, aber auch für gewachsene Freundschaften.
Nach 140 Jahren zeigt sich: Das Dachdeckerunternehmen Wolfgang Keller ist mehr als ein Betrieb – es ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie handwerkliche Tradition und Zukunftsorientierung meisterhaft miteinander verbunden werden können.










