Sachsen. 2025 war kein Jahr der Extreme, aber geprägt von unterschiedlich wahrgenommenen Gegensätzen. Während für die Landwirtschaft nach der ausgeprägten Frühjahrstrockenheit der Regen noch zur rechten Zeit kam, ist der Wasserhaushalt in Sachsen nach wie vor nicht ausgeglichen. In Sachsen herrscht eine ausgeprägte hydrologische Trockenheit.
Dieses Fazit zogen das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und der Deutsche Wetterdienst (DWD) heute beim 14. Pressegespräch »Wetter trifft auf Klima« in Dresden. Vorgestellt wurde, wie sich die Witterung 2025 im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961-1990 einordnen lässt und welche Auswirkungen die von teils starken Gegensätzen geprägte Witterung auf Umwelt, Land- und Forstwirtschaft hat.
Mit +1,6 Grad im Vergleich zur Klimareferenzperiode war das Jahr 2025 nicht das wärmste, aber erneut auf einem sehr hohen Temperaturniveau. Es wurde als »viel zu warm« eingestuft, sodass sich der Erwärmungstrend der letzten Jahre fortsetzt. Zudem lagen, mit Ausnahme des Monats Mai, alle Monate über dem langjährigen Klimamittel 1961–1990. Die höchste monatsbezogene Abweichung zeigte der Januar mit +3,6 Grad. Markante Abweichungen zeigten sich beim Jahresniederschlag mit einem Defizit von 19 Prozent im sachsenweiten Mittel und bei der Anzahl der Sonnenstunden mit einem Überschuss von 31 Prozent. Das sind 11 Prozent mehr als 2024, sodass das Jahr 2025 als »extrem zu sonnenreich« eingeordnet wurde.
Mit -51 Prozent zeigte der April eines der höchsten Niederschlagsdefizite und wurde als »zu niederschlagsarm« eingestuft. Besonders auffällig war, dass ab Dezember 2024, mit Ausnahme des Januars, bis Juni 2025 alle Monate zum Teil deutlich zu wenig Niederschlag aufwiesen. Hier spielten wiederholt aufgetretene blockierende Wetterlagen eine entscheidende Rolle. Unrühmlicher Spitzenreiter war der Dezember mit 70 Prozent weniger Niederschlag. Dem gegenüber stehen die niederschlagsreichen Monate Juli mit +71 Prozent und der September mit +47 Prozent. Das Plus im Juli stand mit einer ausgeprägten Trogwetterlage direkt über Mitteleuropa im Zusammenhang. Abseits der niederschlagsreicheren Monate zeigte der Saldo der Sonnenstunden durchweg einen Überschuss, zum Teil »extrem« in den Monaten März, Juni und August. Interessanterweise lag die Anzahl Sonnenstunden auch im regenreichen September um +23 Prozent höher.
Die innerjährliche Niederschlagsverteilung in Sachsen ist zunehmend ungleichmäßig. Insbesondere die Andauer und Regenerationstendenz von Wetterlagen hat sich erhöht. Das zeigte sich beispielsweise in der langandauernden Frühjahrstrockenheit. Die Monate mit einem Niederschlagsüberschuss resultieren meist aus Starkregenereignissen. Der klassische »Landregen» ist weiter auf dem Rückzug in Sachsen.
Da sich die potentielle Verdunstung weiterhin auf einem hohen Niveau bewegt, wirkt sich das hohe Niederschlagsdefizit besonders deutlich bei der klimatischen Wasserbilanz aus, die aus Niederschlag minus Verdunstung berechnet wird. Gegenüber der Klimareferenzperiode 1961–1990 reduzierte sich die Klimatische Wasserbilanz im Sachsenmittel von +213 Litern pro Quadratmeter auf -43 Liter pro Quadratmeter. Das ist ein starkes Signal für sachsenweit aufgetretene sehr trockene Bedingungen im Jahr 2025. Ein maßgeblicher Treiber ist das starke Niederschlagsdefizit in den Frühjahrsmonaten und am Ende des Jahres. Auch die sehr hohen Verdunstungsraten spielen dabei eine große Rolle.
Aus Sicht des Wasserhaushaltes war das Abflussjahr 2025 geprägt von deutlich unter-durchschnittlichen Niederschlägen und einem sich seit 2018 weiter verschärfenden kumulativen Niederschlagsdefizit, das sich mittlerweile in der Größenordnung eines Jahresniederschlages bewegt. Am Ende des Abflussjahres 2025 lag die gesamte klimatische Wasserbilanz mit 47 Litern pro Quadratmeter deutlich unter dem Durchschnitt der Jahre 1991–2020, der bei 223 Litern pro Quadratmeter lag. Deshalb konnten Boden- und Grundwasserspeicher nicht vollständig gefüllt werden und die Trockenheit dauerte weiter an.
Der Bodenwasserhaushalt 2025 war im Frühjahr und im Sommer bis Anfang Juli von einer starken Zehrung der Bodenwasservorräte geprägt, der Deutsche Wetterdienst sprach von einem regelrechten Absturz der Bodenfeuchte. Der niederschlagsreiche Monat Juli sorgte für eine Auffüllung der Speicher bis in den normal-feuchten Bereich. Beobachtet wurde aber auch, dass auf leichten und mittleren Böden in der Jahressumme nur eine außergewöhnlich geringe Grundwasserneubildung stattfand.
Die Grundwasserstände in Sachsen lagen zum zwölften Mal in Folge unter dem vieljährigen Mittel, mit einem der stärksten Defizite seit Messbeginn vor über hundert Jahren. Das aktuelle Defizit im Grundwasser, das nur von den Jahren 2020, 2019 und 1991 übertroffen wurde, wird sich durch anhaltende Trockenheit im Winter 2025/2026 im Laufe des Jahres weiter verschärfen. In den Flüssen und Bächen lagen die Jahresdurchflüsse vielfach bei nur 30 bis 70 Prozent des Mittelwertes, mit einem ausgeprägten Niedrigwasser insbesondere im Sommer. Das Abflussjahr 2025 zählt mit Blick auf die Wasserführung der Fließgewässer zu den trockensten der vergangenen zehn Jahre.
In der Wald- und Forstwirtschaft setzt nach wie vor keine nachhaltige Entspannung ein.
Verheerend war der Waldbrand in der Gohrischheide Anfang Juli 2025. Mit 2.110 Hektar (inkl. Bundeswald) auf sächsischem Territorium war das seit den 1980er Jahren der größte dokumentierte Flächenbrand. Zudem führte die unzureichende Wasserverfügbarkeit im Jahr 2025 zu hohen Kronenverlichtungswerten, die den schlechten trockenheitsinduzierten Kronenzustand widerspiegeln. Auch der Vitalitätszustand der Eichen muss wiederholt als kritisch eingestuft werden. Es handelt sich um die Baumartengruppe, die mit 74 Prozent den größten Anteil deutlich geschädigter Individuen aufweist. Die deutlichste Verschlechterung bezüglich des Kronenzustandes wurde bei der Baumart Kiefer beobachtet, was auf ein Niederschlagsdefizit während der Wachstumsphase zurückzuführen ist. Ein Aufatmen gibt es: Die seit 2018 anhaltende Massenvermehrung des Buchdruckers in der Baumart Fichte ist beendet. Sowohl die Fangzahlen des Monitorings als auch die registrierten Schadholzmengen haben mittlerweile wieder Vorkalamitätsniveau erreicht. Das Potenzial für einen erneuten Populationsanstieg ist aber vor allem in den Mittelgebirgen weiterhin vorhanden.
In der Landwirtschaft brachte das Erntejahr 2025 bei den Ackerkulturen Winterweizen, -gerste, -raps, Silo- und Körnermais und im Grünland in Sachsen überwiegend gute Erträge, die je nach Fruchtart 5,1 Prozent bis 12,1 Prozent über dem Durchschnitt der letzten sechs Jahre lagen. Ursache waren rechtzeitig einsetzende Niederschläge nach der Trockenheit im Frühjahr. Die meteorologischen Trockenphasen im Frühjahr reduzierten zudem den Krankheits- und Unkrautdruck. Niederschläge im Juli stellten den Drusch der Körnerfrüchte, insbesondere von Winterweizen, vor Herausforderungen und führten zu Ernteverzögerungen und teilweise auch Qualitätseinbußen. Das Jahr 2025 zeigt, dass ein zu knappes Niederschlagsdargebot mit längeren Trockenphasen im Frühjahr agronomisch vorteilhaft sein kann, sofern Niederschläge zur richtigen Zeit fallen, und unterstreicht die Bedeutung der Wasserspeicherfähigkeit des Bodens.
Das Weinjahr 2025 in Sachsen war durch einen überwiegend milden Winter ohne Frostschäden sowie eine verzögerte und heterogene Rebenentwicklung geprägt. Hinzu kam witterungsbedingter Trockenstress mit einem anschließend starken vegetativen Wachstum. Die Erträge und Qualitäten waren, bei leicht vorgezogener Lese, insgesamt gut. Der Obstbau war gekennzeichnet durch regionale Spätfrostschäden im Beerenobst, eine ausgeprägte Frühjahrstrockenheit mit Bewässerungsbedarf sowie einem außergewöhnlich hohen Fruchtbehang beim Apfel infolge der Erholungsreaktion nach dem Spätfrostjahr 2024. Der Trend des immer früheren durchschnittlichen Blühbeginns setzte sich auch 2025 fort. Mit Herausforderungen hatte die Gemüseproduktion zu kämpfen. Die ausgeprägte Frühjahrstrockenheit forderte einen hohen Bewässerungsbedarf und hitzebedingt kam es zu beschleunigten Abreifeverlusten bei Erbsen. Hinzu kamen witterungsbedingte Stressbelastungen sowie erhebliche Ernte- und Bewirtschaftungserschwernisse infolge intensiver Niederschläge im Sommer.
Auch die Natur bekommt die Klimaveränderungen zu spüren. Tier- und Pflanzenarten können sich unterschiedlich gut an veränderte klimatische Bedingungen anpassen. Profiteure sind manche wärmeliebenden Arten. So ist es wahrscheinlich, dass zum Beispiel der Segelfalter (Iphiclides podalirius) auch aufgrund der trocken-warmen Witterung während der Frühjahrs- und Sommermonate häufiger wird. Zu den Verlierern gehören Arten, die feuchte bis nasse Standorte brauchen, wie zum Beispiel die Bekassine (Gallinago gallinago), ein Brutvogel feuchter Lebensräume, der in Sachsen vom Aussterben bedroht ist. Beide Beispiele veranschaulichen, dass mannigfache Veränderungen in den Ökosystemen bereits stattfinden und wie unterschiedlich diese ausgeprägt sein können.
Auch die Luftqualität hat mit langanhaltenden Trockenphasen zu kämpfen. Die sachsenweit gemessenen höheren Jahresmittel 2025 im Vergleich zu den Jahren 2023 und 2024 bei Feinstaub PM10 und im Vergleich zum Jahr 2024 bei Stickstoffdioxid haben hauptsächlich meteorologische Ursachen. Die entsprechenden Jahreszeiten waren 2025 deutlich zu trocken und hatten überdurchschnittlich viele Sonnenstunden. Diese Kombination tritt häufig bei austauscharmen Wetterlagen auf, sodass es zu einer Anreicherung lokaler Luftschadstoffe – insbesondere Feinstaub – kommen kann. Erstmalig seit 2018 trat in Sachsen vom 08.03. bis 11.03.2025 wieder eine Feinstaubepisode auf. Aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen im Hinblick auf Ozon im Sommer 2025 lag die Belastung in Sachsen unter dem Niveau der Vorjahre.












