Sachsen. Das sächsische Sozialministerium empfiehlt Pferdehaltern, ihre Tiere gegen das West-Nil-Virus (WNV) impfen zu lassen. Auch wenn im Jahr 2025 in Sachsen kein einziger Fall einer Infektion bei Pferden offiziell registriert wurde, sehen Fachleute weiterhin ein Risiko. Die Impfung gilt deshalb als wichtigste vorbeugende Maßnahme.
Bundesweit wurden im vergangenen Jahr lediglich vier Infektionen bei Pferden und 16 Fälle bei Vögeln gemeldet. Die Entwicklung der Vorjahre zeigt jedoch, dass die Situation schnell umschlagen kann: 2024 registrierten Behörden deutschlandweit 204 Infektionen bei Pferden – ein deutlicher Anstieg. Besonders betroffen waren Niedersachsen mit 68 Fällen sowie Brandenburg (57). Auch Sachsen war mit 17 Fällen unter den betroffenen Bundesländern, gefolgt von Sachsen-Anhalt (12) und Schleswig-Holstein (8).
Sachsens Sozialministerin Petra Köpping betont deshalb die Bedeutung der Vorsorge:
„Im letzten Jahr sind wir hinsichtlich der Infektion mit dem West-Nil-Virus bei Pferden glücklicherweise verschont geblieben. Dennoch bleibt die Impfung die wichtigste prophylaktische Maßnahme.“ Pferdehalter sollten darauf achten, dass die Grundimmunisierung ihrer Tiere noch vor Beginn der Mückensaison abgeschlossen ist. Diese beginnt üblicherweise Ende Mai.
Auch die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKoVet) am Friedrich-Löffler-Institut empfiehlt die Immunisierung ausdrücklich, insbesondere in Regionen, in denen das Virus bereits aufgetreten ist. Der volle Impfschutz sollte rechtzeitig vor der Hauptaktivität der Stechmücken aufgebaut sein.
Um die Kosten abzufedern, unterstützt die sächsische Tierseuchenkasse Pferdehalter finanziell. Pro gemeldetem Pferd und Jahr kann eine Beihilfe von bis zu 20 Euro für eine Impfung beantragt werden.
Weitere Schutzmaßnahmen
Neben der Impfung raten Fachleute dazu, die Exposition gegenüber Stechmücken möglichst gering zu halten. Dazu gehören unter anderem:
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das Beseitigen möglicher Mückenbrutstätten wie offene Wasserbehälter oder mit Wasser gefüllte Reifen
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das Aufstallen der Pferde während der Dämmerung, wenn Mücken besonders aktiv sind
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das Vermeiden von Lichtquellen in unmittelbarer Nähe der Tiere in der Nacht
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der Einsatz von Insektenfallen sowie
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das Auftragen von Insektenschutzmitteln.
Virus stammt ursprünglich aus Afrika
Das West-Nil-Virus stammt ursprünglich aus Afrika und ist inzwischen weltweit verbreitet. In Deutschland wurde es erstmals 2018 bei Wildvögeln nachgewiesen, die als natürliches Reservoir gelten. Über Stechmücken gelangte das Virus anschließend auch zu Pferden; der erste Fall in Sachsen wurde im August 2019 festgestellt.
Die Erkrankung ist eine sogenannte Zoonose – sie kann also zwischen Tieren und Menschen auftreten. Bei Pferden verläuft eine Infektion häufig ohne Symptome. In einigen Fällen kommt es jedoch zu schweren neurologischen Störungen wie Stolpern, Muskelzittern oder Lähmungserscheinungen. Solche Verläufe können tödlich enden.
Auch beim Menschen bleibt eine Infektion meist unbemerkt oder äußert sich in grippeähnlichen Beschwerden. In seltenen Fällen kann es jedoch zu schweren Entzündungen von Gehirn oder Hirnhäuten kommen.
Eine direkte Übertragung zwischen Menschen und Pferden gilt als äußerst unwahrscheinlich. Beide gelten als sogenannte Fehlwirte – sie können zwar erkranken, geben das Virus aber in der Regel nicht weiter. Für Pferde ist die Impfung daher der effektivste Schutz, während Menschen vor allem Mückenstiche vermeiden sollten.












