Asylheim Bahren,Zwischen Angst,Rettungseinsätzen und Unwissenheit

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Grimma/OT Bahren.  In den letzten Wochen kam es immer wieder zu Alarmierungen von Polizei und Rettungsdiensten.  Gründe hierfür liegen in

Alkoholmissbrauch, Messerstechereien und Suizandrohungen. Anwohner sind in Zeiten von PEGIDA und CO besonders besorgt bzw. irritiert über diese Geschehnisse. Warum kommt es immer wieder zu derartigen Vorfällen in Bahren? Diesbezüglich habe ich den Landkreis um eine Stellungnahme gebeten und bin zu folgenden Ergebnissen gelangt.

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Zunächst erstmal allgemeine Informationen über den Standort Bahren.  Der Landkreis ist gemeinsam mit dem Betreiber für die Ordnung und Sicherheit in der Unterkunft verantwortlich. In der Gemeinschaftsunterkunft leben aktuell 135 Menschen, darunter 38 Kinder bzw. Minderjährige. Neben den Familien sind auch Einzelpersonen untergebracht, die jedoch soweit möglich, getrennt von den Familien untergebracht werden. Es sind 3 – 4 Vollzeitangestellte im Einsatz. Nachts ist mindestens ein Angestellter vor Ort, so dass die Gemeinschaftsunterkunft rund um die Uhr besetzt ist. Der Betreiber ist angehalten, die Nachtruhe durchzusetzen und in besonderen Situationen (auch präventiv) die Polizei einzubeziehen. Die Folge ist, dass die Anwohner die Polizei auch dann wahrnehmen wenn diese nur vorsorglich vor Ort ist. Eine erhöhte Polizeipräsenz ist auch von den Anwohnern gefordert worden.

Über die Feiertage gab es etwa sieben Polizei- und auch Notarzteinsätze in der Gemeinschaftsunterkunft Bahren. Dafür sind zwei Personen verantwortlich, die aufgrund einer schweren Alkoholproblematik die damit verbundenen krankheitsbedingten Symptome wie aggressives Verhalten, akute körperliche Beschwerden u.a. aufweisen. Die Streitigkeiten und Übergriffe haben sich innerhalb der Unterkunft und auch dort nur in einem begrenzten Umfeld vor allem untereinander abgespielt. Verletzt wurde dabei zum Glück niemand. Gleichwohl beeinflussen sie das Leben der anderen friedliebenden  Bewohner. Aktuell befindet sich eine Person in einer Fachklinik zur Behandlung. Heute Vormittag gab es noch ein Gespräch zwischen Landrat und Amtsleiterin Sozialamt zur Situation in Bahren, welche Anwohner und die Mitbewohner der Gemeinschaftsunterkunft belastet. Im Ergebnis hat Dr. Gey mitgeteilt: „Der Landkreis wird die Situation nicht dulden und alles versuchen, um Abhilfe zu schaffen. Der Sächsische Innenminister wird mit Nachdruck über die Vorkommnisse informiert mit dem Ziel, deutliche Verbesserungen zu schaffen und künftige derartige Vorkommnisse zu verhindern. Der Landkreis Leipzig hat etwas über 260.000 Einwohner und Ende 2015 sind etwa 1600 – 2000 Flüchtlinge hier im Landkreis ansässig.

Fazit: Bahren hat kein abnormales Aufkommen von Rettungseinsätzen oder dergleichen, vielmehr sind es die Wohn- und Lebensumstände.Wenn viele fremde Menschen eng zusammen wohnen, sind Streitigkeit leider nie auszuschließen. Damit diese nicht eskalieren, wird i.d.R. sofort die Polizei eingeschaltet. Besteht der Verdacht auf Straftaten, wird auch das  Bundesamt für Migration informiert, die für die Bearbeitung der Asylanträge zuständig ist. Ein besonderes Problem ist die Alkoholsucht: Hier kann nur unter bestimmten Voraussetzungen und im Notfall in eine Suchtklinik eingewiesen werden. Wer keine Krankheitseinsicht hat, kann nicht zur Behandlung gezwungen werden, das gilt für in- und ausländische Personen gleichermaßen.  Alkohol ist in der Gemeinschaftsunterkunft nicht erlaubt. Die Menschen sind aber nicht eingesperrt und haben für ihren Bedarf auch Bargeld zur Verfügung. Der Landkreis ist verpflichtet diese Menschen unterzubringen und kann der Entscheidung des Bundesamtes für Migration zur An- oder Aberkennung des Asylantrages nicht vorgreifen. Es ist also möglich, dass jemand der alkoholkrank ist und (was jetzt nichts mit Bahren zu tun hat) straffällig geworden ist, in seiner Heimat politisch verfolgt wurde und im Extremfall auch mit dem Tod bedroht ist.

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Wer in seinem Umfeld Suchtpatienten kennt weiß wie schwer der Umgang und die Behandlung sein können, das gilt nicht nur für Ausländer. Das gilt in der Familie genauso wie in der bürgerlichen Nachbarschaft. In der Gemeinschaftsunterkunft leiden vor allem das Team und die Mitbewohner darunter. Viele der Asylbewerber haben in ihrem Heimatland schlimme Dinge erlebt die wir nur schwer nachvollziehen oder fühlen können. Auch Deutsche haben durch persönliche Umstände oder Unglücke mit Ängsten oder Symptomen zu kämpfen. Das macht jeden Menschen gleich, egal ob Ausländer oder Inländer.

Deutschland geht es so gut wie nie zuvor, wir haben einen Lebensstandard und eine soziale Absicherung die weltweit ihres gleichen sucht. Wir vergessen gerne, dass wir unsere geliebten Elektronikspielzeuge und vieles andere nur deshalb so billig kaufen können, weil die die sie herstellen, von ihrem Lohn nicht leben können. Hinter meiner persönlichen Meinung steckt keine politische Ideologie und – klar – kaufe ich das auch. Ich finde es nur schade, wenn die Zusammenhänge und die Verantwortung, die wir als große Konsum- und Industrienation haben, in kleinlicher Fremdenfurcht enden. 

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