Gemeinnützigkeit für E-Sport – bürokratische Hürden bremsen

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Symbolbild/pixabay

Nicht nur in Leipzig und Umgebung wird E-Sport immer beliebter. Viele Sportvereine möchten dies als Chance nutzen, doch werden etliche Projekte von der deutschen Bürokratie verhindert. Da E-Sport in Deutschland nicht als gemeinnützige Aktivität anerkannt wird, sind die Hürden für das Etablieren einer E-Sport-Abteilung relativ hoch. Dabei versprachen bereits zwei Bundesregierungen, die Rahmenbedingungen zu verbessern.

Zwei Organisationen unter einem Dach als aktuelle Lösung
Grundsätzlich gilt E-Sport in Deutschland nicht als Sport. Dies kann allerdings nicht verhindern, dass das öffentliche Interesse an dem digitalen Wettkampf und auch an E-Sports Wetten kontinuierlich wächst. In den meisten Fällen wird der virtuelle Sport von den zuständigen Behörden nicht als gemeinnützige Aktivität anerkannt. Deshalb werden entsprechende Abteilungen meistens außerhalb des eigentlichen Vereins betrieben.

Einige Vereine gründen eine separate Unternehmergesellschaft, um auf der sicheren Seite zu sein. Auf diesem Wege kann das e.V. gehalten werden, welches für den eigentlichen Sportbetrieb oftmals unerlässlich ist.

Laut Martin Müller, Vizepräsident für Breitensport beim eSport-Bund Deutschland (ESBD), fehle es an einer einheitlichen und bundesweiten Regelung. Es bestehe eine relativ große rechtliche Unsicherheit, weil die Frage der Gemeinnützigkeit für E-Sport nicht eindeutig beantwortet sei.

Das Versprechen von zwei Regierungen
Dass es noch keine verbindlichen Regelungen gibt, ist angesichts der bislang erfolgten politischen Willenserklärung verwunderlich. Der Koalitionsvertrag 2018 der Großen Koalition von CDU/CSU und SPD enthielt bereits das Ziel, E-Sport vollständig als eigene Sportart mit Vereins- sowie Verbandsrecht anzuerkennen. Dieses Versprechen wurde jedoch nicht umgesetzt.

Auch die aktuelle Regierung hat dem E-Sport im Koalitionsvertrag einen Halbsatz gewidmet. Hiernach soll E-Sport gemeinnützig werden. Ob E-Sport nun Sport ist oder nicht, dürfte dabei eine untergeordnete Rolle spielen. Nach Auffassung des ESBD gehe es um das wachsende ehrenamtliche Engagement, das erst dann nachhaltig wachsen könne, wenn der Status offiziell verliehen werden würde. Die Gemeinnützigkeit sei das aktuell wichtigste Ziel des Verbandes.

Gesetzesvorhaben nicht unwahrscheinlich
Über eine Änderung der Abgabenordnung könnte die Gemeinnützigkeit anerkannt werden. Auf dpa-Anfrage teilte das Finanzministerium mit, dass die Beurteilung, ob und inwieweit gesetzlicher Handlungsbedarf besteht, ein Teil der politischen Planung der Bundesregierung sei. Es sei noch nicht entschieden, wann mit einem entsprechenden Gesetzesvorhaben begonnen wird. Außerdem solle es bereits Vereine mit E-Sport-Abteilungen geben, die die Kriterien der Gemeinnützigkeit erfüllen.

Martin Müller vom ESBD bestätigt, dass dies in einigen wenigen Fällen zutrifft. Grundsätzlich könne manches zwar gelöst werden, doch sei sehr viel Kreativität gefragt. Aus Angst würde oftmals keine Abteilung aufgebaut werden. Einige Vereine würden zum Beispiel auf den Zweck der Jugendarbeit zurückgreifen, doch sei dieser Schritt mit einigen Anforderungen verbunden.

Neue Mitglieder durch E-Sport
Viele Sportvereine möchten über eine E-Sport-Abteilung neue Mitglieder für den Verein akquirieren. Da im Regelfall eine Lösung jenseits des eigentlichen Hauptvereins gewählt wird, um Risiken zu reduzieren, wird dieses Ziel regelmäßig verfehlt. Martin Müller vom ESBD hebt hervor, dass Vereine nur indirekt vom E-Sport profitieren können, wenn die Bekanntheit des Vereins infolge des E-Sport-Angebots steigt. Förderprogramme und steuerliche Vorteile könnten von den separat gegründeten Abteilungen nicht genutzt werden, die aber für den Hauptverein wichtig seien.

Unter Umständen wird es in diese Legislaturperiode noch ein Umdenken geben, dass in die Gesetze einziehen und dem E-Sport zu neuen Möglichkeiten verhelfen wird.

 

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