Kunst für alle im Künstlergut Prösitz – Julia Pfeiffer stellt Arbeiten aus vier Wochen Stipendium vor

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Foto: Detlef Rohde

Grimma/Prösitz. Wenn man über Kunst und Künstler redet, drängen sich einem sofort Städtenamen wie Berlin, Hamburg, Düsseldorf, München oder Leipzig auf. Dort konzentriert sich die Künstlerelite der Republik, so meint man.

Ungeachtet der Frage, was eigentlich eine Elite ist und was es ist, dass ihr eben diesen Titel verleiht? Einer Elite anzugehören, ist und war immer nur ein Prädikat auf Zeit! Mit jeder Generation, oft auch schon nach nur wenigen Jahren, haben sich der Geschmack und das Kunstempfinden in der Gesellschaft gewandelt und etwas anderes hat die bedeutende Stelle des Elitären eingenommen. Aus all diesem erschließt sich allerdings auch die Frage, wie man elitär wird? Diese Frage wiederum, lässt sich relativ einfach beantworten. Elitär wird man nur dann, wenn man die Chance hat, sich in der Arbeit ungestört zu entfalten und diese Arbeiten auch einem breiteren Publikum zugänglich machen zu können. Das kann einfach sein, ist es aber besonders im Bereich der Kunst überhaupt nicht. Da sind dann kleine Nischen, man kann sie auch Schutz- und Arbeitsräume nennen, von großer Bedeutung. Ein solcher Ort ist das Künstlergut Prösitz, das von der Bildhauerin Ute Hartwig-Schulz seit zwanzig Jahren betrieben wird. Hier haben junge Künstlerinnen die Möglichkeit Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Mit einem Stipendium können Mütter mit Kindern dort für einen Zeitraum von vier Wochen ungestört arbeiten. Im ländlichen Idyll bietet das Künstlergut ein Rundumpaket von Kinderbetreuung und optimalen Arbeitsbedingungen.

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Eine dieser Künstlerinnen ist die Wahlberlinerin Julia Pfeiffer, die dieser Tage ihre vierwöchige Schaffensphase in Prösitz beendet. Die 41jährige Mutter einer Tochter hatte vor ihrer Künstlerlaufbahn unter anderem Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft studiert, später noch ein Philosophiediplom abgelegt, bevor sie sich ihrem heutigen Beruf als Keramikerin zuwandte. Die Entscheidung, sich der bildenden Kunst zuzuwenden war goldrichtig. Von Anfang an konnte sie die Fachwelt mit ihren Arbeiten begeistern, was ihr regelmäßige Ausstellungen im In- und Ausland ermöglicht. Doch wie verhält es sich mit der Kunst, wen erreicht sie und was kann Kunst aussagen.

Generell ist es so, dass die meisten Künstler etwas zum Ausdruck bringen möchten. Das Was, ist dabei so unterschiedlich wie es Menschen gibt. Jeder Mensch nimmt Kunst anders wahr und jeder Künstler möchte seinem Werk einen eigenen Ausdruck verleihen. Kunst ist auch ein Abbild der gesellschaftlichen Entwicklung. Doch wo findet Kunst ihre Abnehmer?

Auf die Frage, ob Kunst nur einer bestimmten Bevölkerungsschicht zugänglich ist, hat sie eine klare Antwort! „Grundsätzlich hat jeder die Möglichkeit sich mit Kunst zu beschäftigen oder künstlerisch tätig zu sein. Erfahrungsgemäß stammt ein Großteil der Kunstakteure aus Akademikerfamilien. Auch die Kunstinteressierten gehören eher dem Bildungsbürgertum an. Es ist erstrebenswert, dass Kunst und Kultur für alle erreichbar ist. Schön wäre es zum Beispiel, wenn Museen in Deutschland kostenlos wären. Galerien bieten ja auch die Möglichkeit, Kunst ohne Eintrittsgeld erleben zu dürfen. Super auch, wenn Kinder durch die Schule mit zeitgenössischer Kunst in Berührung kommen, so dass sie unabhängig vom Elternhaus Zugang zu dem Bereich erlangen und vielleicht und Erfahrungen damit machen können.“
Eine Möglichkeit mit den Kunstwerken von Julia Pfeiffer und ihr persönlich in Kontakt zu kommen, bietet sich am Samstag im Künstlergut Prösitz. Dort wird Julia Pfeiffer ihre hier gefertigten Keramikarbeiten vorstellen und sie den Besuchern in einem Vortrag erläutern. Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr, der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es unter www.kuenstlergut-proesitz.de

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Text und Foto: Detlef Rohde

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